Warum ist Auslandserfahrung so wichtig

 

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Fast alle von uns fahren irgendwann einmal ins Ausland um Urlaub zu machen. Es gibt aber eine Menge Leute, die ihr Heimatland in ihrem ganzen Leben niemals verlassen. Dennoch bilden sie sich eine Meinung über andere Länder und über Ausländer in ihrem Land. Sie kommen zu dem Schluss, dass ihr Heimatland das schönste und beste sei, warum auch immer, denn sie haben eigentlich keine Basis, auf die sie diese Meinung stützen können.


Selbst diejenigen, die sogar regelmäßig ins Ausland in Urlaub fahren, haben nur eine begrenzte Perspektive. Sie sehen nur, was sie sehen wollen.


Es gibt aber so viele Winkel, die wir so nicht erfahren und die aber so wichtig und prägend für uns sind.
Tatsächlich sind sie so wichtig, dass jeder von uns sogar obligatorisch, ähnlich dem Militärdienst, eine gewisse Zeit im Land seiner Wahl verbringen müsste.


Welchen Einfluss hat Auslandserfahrung auf unser Leben und unsere Einstellung gegenüber fremden Menschen?


Auch wenn ein Land unserem Heimatland auf den ersten Blick noch so ähnlich erscheint, es gibt immer eine Vielzahl kultureller Unterschiede. Es wird anders gegessen, vielleicht zu anderen Zeiten gegessen, die Geschäfte haben unterschiedliche Öffnungszeiten, es gibt andere modische Trends, usw.

Wenn man als Deutscher zum Beispiel nach England geht, denkt man zunächst, dass wir ja die gleiche Rasse sind und Deutschland und England liegen so dicht beieinander, da kann ja nicht so viel anders sein. In Wirklichkeit aber ist die englische Mentalität vollkommen anders. Geschäftsleute reden sich beim ersten Treffen mit dem Vornamen an, was in Deutschland an Unhöflichkeit kaum zu überbieten wäre, in England jedoch ein Zeichen von Vertrauen und Freundschaft ist. Während in Deutschland die Wartenden an einer Bushaltestelle kunterbunt durcheinander nach dem Ellenbogenprinzip in den Bus einsteigen, und das wird als normal angesehen, stellen sich die Engländer höflich und zurückhaltend in eine Schlange und warten geduldig, bis sie an der Reihe sind. Ein Rüpel, der sich vordrängt, kann da nur ein Ausländer sein.

Es gibt hunderte wenn nicht tausende solcher Beispiele, die noch viel tief greifender sind als diese.
Und die meisten solcher Unterschiede lernen wir nur durch die Routine des täglichen Lebens.
Haben wir diese kulturellen Unterschiede einmal begriffen, hilft es uns, andere Kulturen im Allgemeinen besser zu verstehen und, was noch wichtiger ist, zu tolerieren. Wir stellen fest, dass es mehr als nur unseren eigenen Weg gibt, und dass diese anderen Wege in ihren Kulturen „richtig“ sind, wo unsere „falsch“ sind.


Es ist eine unbezahlbare Lebenserfahrung, durch die man anderen Mitmenschen gegenüber offener und verständnisvoller wird. Während man als Fremder in einer anderen Kultur lebt, muss man sich dieser Kultur anpassen, wenn man akzeptiert werden möchte. Das heißt nicht, dass man sich komplett verändern muss, nur dass man in bestimmten Situationen erkennen muss, dass bestimmte Dinge hier eben anders gehandhabt werden.

So finde ich es heute nach mehreren Jahren in Spanien immer noch höchst ärgerlich, wenn ich um halb zwei Uhr ein Geschäft betreten will, dass laut aushängender Öffnungszeiten noch bis zwei Uhr geöffnet sein soll, ich die Türe aber geschlossen vorfinde. Der Deutsche in mir protestiert lautstark („wie unverschämt, da steht dran zwei Uhr, die haben bis Punkt zwei Uhr aufzusein“), dann muss ich mich einen Moment besinnen, meinen Ärger zur Seite schieben und mir sagen: „Du bist hier in Spanien, da läuft es eben anders“. Da sehen die Leute es nicht so eng und machen schon mal früher Feierabend. Macht nichts, komme ich halt morgen wieder. Ich bin der Fremde, ich muss weitgehend nach deren Regeln leben, oder ich bleibe unzufrieden.

Meine persönlich wichtigste Erfahrung ist die, dass man versteht, wie man sich als Ausländer in einem fremden Land fühlt. Man macht Dinge versehentlich falsch, ohne zu wissen, dass man sich daneben benommen hat. Man wird als Sonderling betrachtet, weil man den Immobilienmakler nicht auf die Wange geküsst hat, wie es üblich ist. Man fühlt sich spontan zu anderen Ausländern hingezogen, weil sie im gleichen Boot sitzen.

Vielleicht lerne ich daraus, dass sich Ausländer in meinem Heimatland genauso fremd fühlen und habe in Zukunft mehr Verständnis für sie. Wenn ein Fremder einen Fauxpas begeht, nehme ich ihm das nicht gleich übel, denn ich weiß, dass er aus einer anderen Kultur kommt und nicht unbedingt weiß, dass er etwas „falsch“ gemacht hat.
Wenn ich im Ausland offen aufgenommen wurde, mache ich das doch genauso mit Fremden in meinem Land, versuche ihnen ihren Aufenthalt angenehm zu machen. Schließlich wollen wir, dass sie uns Deutsche in guter Erinnerung behalten.

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