Was tun gegen Flugangst

 

Flugzeug Flügel, Blick über Australische Ostküste

Fliegen ist etwas, dass für die meisten Menschen nicht zum Alltag gehört wie das Autofahren. Weil es für sie relativ selten vorkommt, dass sie in ein Flugzeug steigen müssen, haben sie oft Angst davor oder sind zumindest sehr nervös. Die Flugangst ist eine irrationale Form der Angst und kann daher nicht mit rationalen Argumenten aus dem Weg geräumt werden. Es ist zwar schön zu wissen, dass statistisch gesehen weniger Leute bei Flugzeugabstürzen ums Leben kommen als bei Autounfällen, aber diese Information trägt wenig zur Beseitigung der Angst bei. Die Angst liegt tiefer und ist bei jedem ein bisschen anders. Ich kenne zwar kein unfehlbares Rezept, dass jedem Flugängstlichen die Angst hundertprozentig nimmt, aber ich kann euch zeigen, wie ich meine Flugangst bewältigt habe.

Bevor du mit der Heilung beginnst, musst etwas Vorarbeit leisten. Du musst erst eine Diagnose stellen, bevor du mit der Therapie anfangen kannst.

1. Du musst aktiv sein. Du musst aus innerer Überzeugung heraus wirklich deine Angst überwinden wollen. Und du musst aktiv selbst etwas dafür zu tun bereit sein.

2. Analysiere deine Angst.
Frage dich selbst, warum du und wovor genau du eigentlich Angst hast. Die Selbstanalyse ist oft nicht so einfach, daher gebe ich dir ein paar Anhaltspunkte, worin deine Angst liegen könnt:

- Der begrenzte Innenraum des Flugzeugs macht dir Platzangst.

- Du fühlst dich ausgeliefert und ohne Kontrolle, weil du nicht einfach aussteigen kannst, wann du möchtest.

- Turbolenzen und mechanische Geräusche während des Fliegens verunsichern dich. Das ist oft einfach, weil man die physikalischen Gesetze des Fliegens nicht gut genug kennt und glaubt, das Flugzeug könne wie ein Stein vom Himmel fallen.

- Du hast Höhenangst.

- Du hast Angst vor Terroristen. Besonders nach dem 11.September haben viele Leute sich von den Medien verrückt machen lassen.

Wenn du die Ursache deiner Angst besser kennenlernst, kannst du gezielt dagegen vorgehen.

Jetzt kannst du je nach dem, worin deine Angst besteht, verschiedene Richtungen einschlagen. Ich gebe dir hier ein paar Vorschläge:

1. Sammle Informationen. Finde z.B. heraus, wie ein Flugzeug eigentlich in der Luft bleibt, oder wie unwahrscheinlich ein Terroristenanschlag ist, wenn man bedenkt, wie viele Tausende von Flugzeugen jeden Tag überall in der Welt unterwegs sind. Mache dir klar, dass der Luftraum weniger Verkehr hat als die Straße und auch mehr Möglichkeiten zum Ausweichen bietet. Sitzt du im Flugzeug, passiert es selten, dass du überhaupt ein anderes Flugzeug irgendwo in der Ferne vorbeifliegen siehst. Auf der Straße sind wir manchmal nur Zentimeter von anderen Autos entfernt. Während das Auto auf der Straße nur nach links oder rechts, vor oder zurück ausweichen kann, hat das Flugzeug zusätzlich noch die Möglichkeit, nach oben und unten auszuweichen.

Informiere dich auch über Sicherheitssysteme im Flugzeug sowie die Notfallvorkehrungen. Wichtig kann vielleicht die Information sein, dass man im Auto immer angeschnallt sein sollte, im Flugzeug ist das Anschnallen nur für Start und Landung empfohlen., das zeigt einem, dass das Fliegen nicht so gefährlich sein kann.

2. Besuche einen Kursus. Ich selbst habe nie einen Kurs gegen Flugangst besucht, aber manchen Leuten hilft es. Bei einer irrationalen Angst wie der Flugangst weiß man nie so genau, welche Information einem weiterhelfen wird, daher empfehle ich, einfach so viele Wege wie möglich zu versuchen.

3. Beschäftige dich mit der Angst. Setze dich mit ihr auseinander und versuche nicht, sie zu verdrängen. Geh öfter mal einfach so zu einem Flughafen und beobachte die Flugzeuge. Stelle dir im Geiste vor, wie du in einem davon bist. Gewöhne dich an den Gedanken. Weine dich aus, wenn nötig. Wenn du dich mehr und mehr mit Flugzeugen vertraut machst, sieht dein Gehirn sie als Teil deines Lebens und akzeptiert sie als normale Erscheinung.

4. Mache eine Therapie. Gehe zu einem Psychotherapeuten und spreche mit ihm darüber. Darüber sprechen ist auch bereits Teil der Heilung, da man sich mit der Angst und ihrer Ursache auseinander setzt.

5. Suche Unterstützung. Es hilft nicht unbedingt, Gleichgesinnte zu finden, die sich gegenseitig mit ihrer Angst anstacheln. Bei Unterstützung meine ich eine verständnisvolle Person in deinem Leben, die bereit ist, mit dir diesem Weg zu gehen und dich auf dem Weg moralisch aufzubauen.

6. Medikation. Es gibt leider keine Tablette, die die Angst wegnimmt, aber man kann als zusätzliche Methode ein Beruhigungsmittel versuchen. Dabei muss man es nicht unbedingt nehmen, es reicht oft, es nur dabei zu haben, für den Fall, dass man es braucht. Ich habe selbst Jahrelang ein Beruhigungsmittel in der Tasche dabei gehabt, habe es aber nie genommen. Es hat mir geholfen, dass ich es hätte nehmen können, wenn ich gewollt hätte.

7. Meditation. Bitte deine Vertrauensperson, dir dabei zu helfen. Schaffe dir eine entspannte Atmosphäre und lege dich auf die Couch bei Kerzenschein und ruhiger Musik. Lass die andere Person dir mit ruhiger Stimme erzählen, dass du keine Angst vor dem Fliegen zu haben brauchst, dass keine Angst hast und dass du bei deinem nächsten geplanten Flug vollkommen entspannt sein wirst. Du hörst einfach zu und achtest darauf, dass dein Körper vollkommen entspannt und dein Geist offen ist. Tu das so oft wie möglich.

8. Finde eine Fluggesellschaft.
Suche eine, der du vertraust, weil sie neue und große Maschinen haben oder dir die Firmenfarben einfach gefallen. Schließe „Freundschaft“ mit dieser Gesellschaft.

9. Lenke dich ab. Finde heraus, was dir hilft. Vielleicht willst du am Fenster sitzen und rausschauen um dich abzulenken, vielleicht lieber lesen oder Musik hören. Denke daran, dass unser Gehirn immer nur an eine Sache auf einmal denken kann, konzentrierst du dich zum Beispiel auf die Landschaft unter dir, kann dein Gehirn nicht gleichzeitig an die Angst denken. Es kann hin und her springen, aber immer nur an eine Sache denken.

Wie ich selbst meine Angst überwunden habe.

In meinem Fall entwickelte sich die Angst dadurch, dass ich jahrelang nicht geflogen war und zuviel in den Medien und im Freundeskreis über das Thema Flugangst gehört hatte. Eigentlich hat mich das erst auf die Idee gebracht, dass es Flugangst gibt. Es wurde so schlimm, dass ich während eines Fluges eine solche Panikattacke bekam, dass ich sofort aussteigen wollte. Die Stewardessen versuchten mir zuzureden, aber an diesem Punkt war ich vernünftigen Argumenten nicht mehr zugänglich. Ich flehte sie an, mir irgendein Medikament zu geben, aber sie hatten leider nichts dabei. Schließlich boten sie mir an, im Cockpit mitzufliegen, weil ich dort mehr sehen könne. Ich nahm das Angebot an, ohne mir jedoch viel zu versprechen. In der Sekunde, in der ich das Cockpit betrat, war meine Angst verschwunden, denn die beiden Piloten lümmelten sich dermaßen entspannt auf ihren Sitzen, dass es ansteckend war. Ich konnte sehen, wie alles funktioniert und wie automatisch das Flugzeug fliegt, ohne dass einer von beiden Piloten etwas tut.

Damit war meine Flugangst aber nicht geheilt. Ich weigerte mich zwei Jahre lang, in ein Flugzeug zu steigen, bis ich einsah, dass meine Angst dabei war, mein Leben zu kontrollieren und mich in meiner Freiheit einzuschränken. Also beschloss ich, aktiv dagegen anzugehen.

Ich habe das Glück, einen sehr verständnisvollen Partner zu haben, der selbst das Fliegen über alles liebt und dem daher etwas daran lag, mir zu helfen.

Ich begann mit der Angstanalyse. Dann sammelte ich Informationen über das Fliegen und die Physik des Flugzeuges, ohne ins Detail dabei zu gehen. Ich sprach mit erfahrenen Leuten, von denen einer mir erklärte, dass das Flugzeug beim Starten nicht „abhebt“, sondern auf der Luft weiterfährt. Der Luftwiderstand ist so groß, dass die „Luftstraße“ stabiler ist als jede Asphaltstraße, wir können sie nur nicht sehen. Dieses Quäntchen Information hat mir aus irgendeinem Grund sehr geholfen. Es war das, was mein Gehirn brauchte. Wie schon gesagt, man kann vorher nie wissen, was genau einem helfen wird. Eine Bekannte hatte Flugangst, bis ihr jemand gesagt hat, dass unter ihrem Sitz noch eine ganze Etage mit Frachtgut ist, und ihre Angst war vorbei, denn sie hatte unbewusst geglaubt, unter ihr sei direkt die Luft.

Ich fuhr ein paar Mal zum Flughafen, nur um Flugzeuge anzusehen und ließ mir erklären, dass je größer das Flugzeug, umso weniger „wackelt“ es. Daher suchte ich mir Fluggesellschaften, die ausschließlich große (groß genug jedenfalls) Flugzeuge haben, Germanwings zum Beispiel.

Ich meditierte wochenlang und bereitete mich seelisch auf einen Flug vor, den ich bereits gebucht hatte. Es war nur ein ganz kurzer Flug von 1 Stunde, der einzig zum Üben dienen sollte.

Inzwischen bin ich schon zweimal nach Neuseeland und Australien sowie sehr oft innerhalb Europas geflogen. Mir macht es inzwischen Spaß. Ich habe mich selbst davon überzeugt, dass es mir Spaß macht, solange, bis ich es geglaubt habe.

Es ist kein leichter Weg, er kostet eine Menge Überwindung, aber glaube mir, er lohnt sich.

Viel Erfolg!


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