Sollten Eltern den Kindern von ihrer Erfahrung mit Drogen und Alkohol erzählen?

Alkoholmissbrauch

Eltern sollten mit gutem Beispiel vorangehen. Deshalb sollte man denken, dass es besser ist, den Kindern nichts von der eigenen Erfahrung zu erzählen, wenn es um Drogenmissbrauch oder übermäßigen Alkoholgenuss geht. Doch stimmt das so?

Es gibt Studien, die zeigen, dass die Kinder von Eltern, die ihre eigene Drogenvergangenheit verschwiegen, eine stärkere Abneigung gegenüber Suchtmitteln entwickeln als die Kinder, deren Eltern offen darüber gesprochen hatten. Viele Kinder interpretieren die Erfahrung der Eltern, indem sie die Mentalität annehmen, dass aus ihren Eltern schließlich auch etwas geworden ist, obwohl sie getrunken haben und Drogen genommen haben. Die Einstellung gegenüber Drogen und Alkohol wird normalisiert und banalisiert.

Allerdings gibt es eine Gegenstudie, die beweist, dass die Kinder von Eltern, die ihre Drogenerfahrung mit ihnen teilten, mit wesentlich geringerer Wahrscheinlichkeit selbst zu Drogen griffen. Etwa zwei Drittel moderner Eltern entscheiden sich für Offenheit gegenüber den Kindern. Mit zwei gegensätzlichen Untersuchungen, was sollten Eltern also tun?

Eltern müssen verstehen, dass es keine Anleitung für die Kindererziehung gibt. Alle Kinder sind verschieden und reagieren unterschiedlich auf ihre Einflüsse. Die Kinder vor einer Sucht zu schützen, hängt nicht nur von einem einzigen Gespräch ab. Die Wahrscheinlichkeit einer Suchtgefährdung hängt von größeren Faktoren ab, nicht zuletzt von der genetischen Veranlagung. Gibt es Suchtgefährdete innrer Familie? Sind oder waren die Eltern jemals suchtgefährdet?
Auch die allgemeine Erziehung trägt zur Entwicklung des Verantwortungsbewusstseins und der inneren Einstellung gegenüber Suchtmitteln bei. Kindern, die autoritär erzogen werden und denen vieles verboten wird, reagieren möglicherweise als Jugendliche rebellisch und stürzen sich erst recht in die verbotenen Dinge. Kinder müssen von klein auf lernen, mit ihren Eltern zu kommunizieren. Offenheit und Ehrlichkeit beider Parteien sind wichtig im Verständnis füreinander.

Ob die Eltern ihre Drogenerfahrung mit den Kindern teilen, hängt im Wesentlichen vom Einzelfall und dem persönlichen Hintergrund jedes einzelnen Kindes ab. Wenn ein Kind direkt fragt, sollte man ihm allerdings offen und ehrlich antworten. Wichtig ist, die richtige Nachricht zu übermitteln. Man muss den Kindern erklären, dass es wichtig ist, Nein sagen zu können, und sich nicht gegen den eigenen Willen dem Gruppenzwang zu beugen. Sie müssen verstehen, dass es negative Konsequenzen geben kann und wie die Realität aussieht.

Die Eltern sollten sich in das Kind hineinversetzen und versuchen zu verstehen, wie ihre Nachricht interpretiert wird. Ein Kind, dass sich leicht beeindrucken lässt, sollte mit großer Umsicht vorbereitet werden. Die Interpretation der gesellschaftlichen Meinung über Drogen und Alkohol bestimmt zum großen Teil, ob das Kind selbst gefährdet sein wird oder nicht.

Auch wenn die eigenen Erfahrungen der Eltern Spaß gemacht haben, sollten sie diese nicht idealisieren. Sie sollten ehrlich über ihre Erfahrung sprechen, aber ohne sie dabei in romantischem Licht darzustellen. Stattdessen sollten sie sich darauf konzentrieren, was hätte passieren können oder wie ihre Mitmenschen beeinträchtigt und hätten beeinträchtigt werden können.

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