Aggression bei Kindern

 Aggression bei Kindern

Aggression bei Kindern äußert sich durch das Unterdrücken schwächerer Kindern, beißen, schubsen oder Haareziehen. Es ist oft schwierig, Verständnis aufzubringen, wenn ein Kind sich aggressiv verhält und anderen Kindern wehtut, denn meist ist es ein Schock für die Eltern, ihr geliebtes Kind dabei zu beobachten, anderen Schaden zuzufügen.

Um einem aggressiven Kind zu helfen, ist jedoch genau dies erforderlich: Verständnis. Aggressivität ist eine Ausdrucksform des Kindes und zeigt, dass es innerlich angespannt, ängstlich oder einsam ist.

 

Es ist wichtig für die Eltern zu wissen, dass grundsätzlich kein Kind anderen bewusst wehtun möchte. Viel lieber möchte es entspannt mit seinen Freunden und Geschwistern spielen, Spaß haben und sich sicher und geliebt fühlen. Kinder spielen harmonisch miteinander, wenn sie sich miteinander verbunden fühlen. Verlieren sie diesen inneren Band und fühlen sich von anderen Kindern separiert, werden sie aggressiv. Dabei ist das Kind nicht absichtlich gemein, das aggressive Verhalten ist jenseits seiner Kontrolle.

Ein typisches Muster vor dem Ausbruch eines Aggressionsanfalls ist dies: ein Kind beobachtet seine Mutter, die das kleine Geschwisterbaby liebkost. Danach geht die Mutter aus, denn sie hat Wichtiges zu tun. Das Kind kann sich in diesem Moment von seiner Mutter verlassen und weniger geliebt fühlen. Aus diesem Grund richtet sich die Trauer über das Unglücklichsein gegen die Person, die in diesem Moment zufrieden scheint, zum Beispiel das kleine Baby. Warum, so fragt sich das Kind, hat das Baby ein recht darauf, glücklich zu sein?

Die Aufgabe der Eltern ist es, dem Kind ein sicheres Gefühl zu geben, so dass es sich öffnet und seine Gefühle ausspricht. Weinen tut hier besonders gut, denn es löst den Knoten der Angst und Traurigkeit. Die Eltern müssen dem Kind zuhören und ihm die Liebe und Sicherheit vermitteln, die es braucht, um die inneren Ängste zu überwinden, die sein Leben so schwer machen.

Oft provoziert Aggression die gegenteilige Reaktion bei den Eltern. Sie schimpfen und bestrafen das Kind, weil es einem anderen Kind wehgetan hat. Es ist natürlich wichtig, dass das Kind lernt, welche Konsequenzen es haben kann, anderen Schaden zuzufügen, doch wenn es durch den Ausdruck seiner Gefühle noch mehr negative Erlebnisse erfährt, vertiefen sich die Ängste. Statt das zugrunde liegende Problem zu lösen, wird die Ausgangslage verschlimmert und das Kind wehrt sich auf die einzige Wiese, die kann: durch Aggression.

Aggressives Verhalten kann ein Hilferuf des Kindes sein. Ein Kind, dass auf andere Kinder losgeht, ist tief in seinem Herzen allein und verängstigt, auch wenn es in dem Moment nicht so aussieht. Das aggressive Verhalten bringt dem Kind kurzfristig Belohnung: es nimmt anderen Kindern ihre Zufriedenheit, auf die es neidisch ist und verschafft ihm Aufmerksamkeit der Erwachsenen, nach der es sich sehnt. Es ist zu jung zu verstehen, dass es durch sein Verhalten seine Mitmenschen gegen sich wendet und am Ende noch mehr allein sein wird.

Kinder können diese Ängste und Gefühle entwickeln, auch wenn sie ein liebevolles Elternhaus haben. Die Ängste können von einer schwierigen Geburt, medizinischer Behandlung, Spannungen zwischen Familienmitgliedern, die Unzufriedenheit anderer Mitmenschen oder der Abwesenheit eines geliebten Menschen herrühren. Jede angstauslösende Situation aus der Vergangenheit kann in dem Kind eine Tendenz zur Aggression verursachen.

Die Aggression bei Kindern kann nicht durch Logik und Bestrafung gelöst werden. Der erste Schritt ist, dem Kind Nähe und Wärme zu bieten, damit es zu seinen Bezugspersonen geht und seine Gefühle offenbart. Zuhören hilft gegen die negativen Gefühle. Wenn Kinder ihre Gefühle äußern, kann sich diese enorme innere Anstrengung durch Tränenausbrüche, hysterisches Gelächter, Schwitzen, Zittern oder heftiges Wehren zeigen. Der Erwachsene kann dem Kind den sicheren Hort bieten, den es braucht, um seine Gefühle auszudrücken. Körperliche Reaktionen sind ein Ventil für die unkontrollierbaren Gefühle.

Folgende Maßnahmen der Eltern werden dem Kind mit der Zeit helfen, die aggressionsauslösenden Ängste zu lösen und helfen dem Kind, entspannter mit anderen Kindern zu spielen.

Sprechen Sie mit einem anderen Erwachsenen über Ihre Gefühle und Gedanken bezüglich der Aggressivität Ihres Kindes. So können SIe Ihre eigenen Ängste abbauen und laufen nicht Gefahr, sie an dem Kind auszulassen und dessen Probleme weiter zu vertiefen.
Beobachten Sie, unter welchen Umständen die Aggressionszustände ausgelöst werden. Die Abwesenheit der Mutter am Abend vorher, Streit zwischen dem Eltern oder Enttäuschungen beim Spielen mit anderen Kindern sind die üblichen Auslöser.
Warten Sie nicht darauf, dass sich das Problem von allein löst und bereiten Sie sich seelisch auf den nächsten Aggressionsanfall vor, so dass Sie sich schnell einschalten können, wenn sich die ersten Anzeichen zeigen.

Bleiben Sie ruhig. Da das Kind seine Gefühle nicht unter Kontrolle hat, müssen Sie die Situation kontrollieren und das Kind daran hindern, anderen wehzutun.

Wenn Sie die Aggression angehalten haben, schauen Sie dem Kind in die Augen und bieten Sie ihm warmen und freundlichen Körperkontakt. Kümmern Sie sich nicht darum, ob die umstehenden Eltern eventuell disziplinierende Maßnahmen von Ihnen erwarten, die Gefühle des Kindes sind wichtiger.
Geben Sie dem Kind das Gefühl, dass Sie es verstehen, damit es sich Ihnen anvertraut.

Das Kind kennt noch nicht die Worte, die seine Gefühle ausdrücken. Achten Sie auf die Körpersprache. Bleiben Sie ruhig, auch wenn es weint und schreit oder die Aggression sich gegen Sie selbst richtet.

Zuhören ist wichtig. Versuchen Sie keine Erklärungen. Warten Sie mit dem ernsten Gespräch, wenn der akute Anfall vorüber ist.

Wenn Sie das Schlimmste nicht verhindern konnten, müssen Sie sich um alle Kinder kümmern. Sorgen Sie zunächst dafür, dass keine Gegenstände zum Werfen zur Verfügung stehen und behalten Sie die Hände im Auge.
Hören Sie Aggressor und Opfer gleichermaßen zu und zeigen Sie Verständnis für beide. Lassen Sie sich nicht zwingen, für ein Kind Partei zu ergreifen, denn Sie sind der Schiedsrichter und müssen unparteiisch bleiben.

Bestrafen Sie das Kind nicht. Auch tadeln und beschämen kann die Gefühle und Ängste verschlimmern. Trotz der zur Schau gestellten Unbekümmertheit bekommt das aggressive Kind Schuldgefühle, wenn es einem anderen wehgetan hat.

Nehmen Sie vor dem Kind einen Teil der Schuld auf sich. Sagen Sie zum Beispiel: ich hätte früher da sein und aufpassen müssen. Ich hätte sehen müssen, dass dich das wütend gemacht hat.

Tränen- oder Wutausbrüche nach einem Vorfall sind der erste Schritt zur Heilung. Das Kind beginnt zu lernen, seine Gefühle herauszulassen. EIn Kind, dass seine Gefühle nicht zeigen kann, braucht besonders viel Aufmerksamkeit und Fürsorge. Geben Sie dem Kind so oft wie möglich Gelegenheit, sich Ihnen anzuvertrauen. Widmen Sie ihm die Zeit, die es braucht. Verbringen Sie viel Zeit mit ihm, um Nähe und Vertrauen zu vertiefen. Nähe und Freude helfen dem Kind, seine Gefühle kennenzulernen.

Denken Sie daran, dass die aggressive, äußere Hülle sehr dünn ist und sich darunter ein verängstigtes Kind befindet. Die Aggression ist ein Schutzmechanismus. Wenn Sie selbst durch das Verhalten Ihres Kindes wütend geworden sind, finden Sie eine andere Vertrauensperson, die sich dem Kind zuhören kann. Wenn Sie selbst das Gefühl haben, aufgrund des Verhaltens Ihres Kindes in Luft zu gehen, suchen Sie sich ein Ventil, um die Wut herauszulassen, bevor Sie sich mit dem Kind beschäftigen. Denken Sie dabei an das Kind, dass ebenso empfindet wie Sie, aber nicht in der Lage ist, seine Gefühle in einer Form auszulassen, dass sie keinem wehtun.

Haben Sie Geduld. Manchmal braucht es sehr viel Zeit und noch mehr Tränen, bis das Kind Ihnen von einem bestimmten Vorfall erzählt, dass sein Verhalten ausgelöst haben könnte. Je nach Alter des Kindes, besprechen Sie die Möglichkeit, sich mit einem Therapeuten zu unterhalten. Ist das Kind strikt dagegen, lassen sie es sein. Das Kind muss selbst wollen, denn auch der beste Kinderpsychologe ist eine fremde Person. Versuchen SIe es selbst, so lange die Situation nicht außer Kontrolle gerät, denn das Kind braucht die Nähe seiner Eltern jetzt mehr denn je und könnte sich sonst "abgeschoben" oder als "Problemfall" fühlen.

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