Weinprobe
Weinprobe

Warum können die meisten Menschen einen guten Wein nicht von einem schlechten unterscheiden?

Weinprobe

Wein wird als kompliziertes Genussmittel gehandelt, dessen dezente Unterschiede und Qualitäten nur ein wahrer Weinexperte zu unterscheiden versteht. In Wahrheit können Weinkenner und Verbraucher gleichermaßen getäuscht werden, je nach ihrer Erwartungen an den Wein.

Hast du es satt, ständig für Apps & Games zu zahlen?
Dann hör damit auf!
www.joisst.com

Wein ist eine Wissenschaft für viele Weinliebhaber. Beim Testen eines Weins wird das Getränk scheinbar auf seine Moleküle analysiert, das Glas fachmännisch geschwenkt und der Wein auf der Zunge geschmeckt. Allerdings ist die Wahrnehmung des Geschmacks individuell und kann demnach getäuscht und manipuliert werden.

Im Jahr 2001 führte Frederic Brochet an der Universität Bordeaux ein Experiment durch. In diesem bekamen 54 Önologie-Studenten (Weinkunde) jeweils ein Glas roten und ein Glas weißen Wein vorgesetzt. Anschließend bekamen sie billige Flasche Wein und eine teure. Im ersten Versuch befand sich in beiden Gläsern tatsächlich derselbe Wein, der Weißwein wurde lediglich gefärbt. Im zweiten Versuch befand sich derselbe billige Wein in beiden Flaschen.

Nicht einer der 54 Studenten stellte fest, dass der gefärbte Wein ein Weißwein wahr, alle beschrieben die Qualitäten eines Rotweins.
Der Wein mit dem teuren Etikett wurde als vollmundig und komplex beschrieben, der mit dem billigen Etikett als schwach.
Mit ihrer anfänglichen Erwartungshaltung schmeckten die Experten tatsächlich genau das, was sie zu schmecken erwarteten.

In einem anderen Experiment wurden Weintester beim Testen fünf verschiedener Wein, deren Etiketten vertauscht waren, auf ihre Gehirnaktivität untersucht. Beim Probieren der Weine mit teuren Etiketten waren bestimmte Bereiche im Gehirn aktiver, obwohl es sich um billige Weine handelte.

Das bedeutet nicht, dass es keine Qualitätsunterschiede im Wein gibt. Wer einen Wein probiert, steht unter dem Einfluss seiner eigenen Erwartungshaltung, die den Genuss des Getränks strak beeinflusst und sogar deren Richtung bestimmen kann. Unter normalen Umständen, also ohne Vorspiegelung falscher Tatsachen, ist die Expertise eines Weinkenners sensationell, denn die Erfahrung hat ihn gelehrt, auf bestimmte Eigenschaften des Weines zu achten. Psychologisch gesehen ist allerdings völlige Objektivität ausgeschlossen, dass heißt, Erfahrung, Gefühle und Lernen beeinflussen jedes Erlebnis.

Wie bei allen Bereichen des Lebens kommt ein Teil der Wahrnehmung von innen, ein Teil von außen. Probiert man einen Wein aus einer teuren Flasche oder einem teuren Glas, ändert sich die Erwartungshaltung und sorgt tatsächlich für ein besseres Geschmackserlebnis.
Geschmack ist subjektiv. Und nicht umsonst heisst es, das Auge isst mit, denn gut präsentiertes Essen oder Trinken ändert die innere Einstellung und somit den Genuss.