
Im Gegensatz zu einem Wellensittich ist ein Kanarienvogel von Natur aus kein geselliger Vogel. Das liegt nicht am Charakter, sondern in der genetischen Veranlagung.
Ein Vogel, der in der Freiheit in größeren Schwärmen lebt, sucht auch in der Gefangenschaft den Anschluss an Artgenossen. Wilde Kanarienvögel haben während der Brutzeit streng abgegrenzte Reviere, die ein Vogelpaar gegen Artgenossen verteidigt. Das die Vögel sich nach der Brutzeit im Herbst und Winter zu Schwärmen zusammenfinden, ist eine Schutzmaßnahme und kein sozialer Drang. Sie sind in großen Schwärmen gegen Feinde geschützt, kennen sich untereinander allerdings nicht.
Auch sucht nicht jeder Kanarienvogel während der Brutzeit einen Partner. Oft bleiben sie mal ein Jahr lang allein.
Die Tatsache, dass der Kanarienvogel ein Einzelgänger ist, bedeutet auch, dass er sich nicht persönlich an einen Menschen bindet. Er erkennt zwar, wenn der gleiche Mensch ihm Futter und Wasser gibt, entwickelt aber keinen engen Kontakt zu einem Menschen. Lediglich ein handaufgezogener Kanarienvogel hat eine tiefere Bindung zu dem Menschen, der ihn aufgezogen hat. Da er seine eigenen Eltern nicht kennengelernt hat, betrachtet er den Menschen als seinen Artgenossen.
Ein Kanarienvogel ist also ein ideales Haustier für Menschen, die viel beschäftigt sind und keine Zeit haben, eine Bindung zu ihrem Tier aufzubauen. Der Kanarienvogel ist meist sehr zufrieden, wenn er genügend Futter und Wasser hat, sich putzen kann und einen ausreichend großen Käfig zur Verfügung hat.
Trotzdem braucht auch ein Kanarienvogel etwas Abwechslung im Leben, um seine Sinne zu reizen. Ab und zu sollte er ruhig mal frei im Zimmer fliegen dürfen.
Obwohl der Kanarienvogel ein Einzelgänger ist, sollte man sie trotzdem lieber zu zweit halten, damit sie sich auf Dauer nicht langweilen. Dabei spielt es keine Rolle, ob Männchen und Weibchen gemischt oder getrennt zusammenleben, denn solange kein Nest vorhanden ist, wird der Kanarienvogel nicht brüten.
