Ist Schüchternheit angeboren?

schüchternes Mädchen

Manche Eigenschaften sind angeboren, andere werden erlernt. Ist Schüchternheit genetisch veranlagt oder wird man schüchtern "gemacht"?

Schüchternheit charakterisiert sich durch drei Haupteigenschaften, nämlich extrem ausgeprägtes Ichbewusstsein, negative Selbstbewertung und negatives Selbstvertieftsein. Diese drei Eigenschaften setzen ein Selbstempfinden, ein Ich-Erleben voraus. Das Ich-Empfinden entwickelt sich erst ab einem Alter von 18 Monaten. Babys, die unter 18 Monate alt sind, sind sich nicht über ihre eigene Existenz bewusst. Da Menschen nicht mit einem Selbstempfinden geboren werden, können sie demnach auch nicht von Geburt an schüchtern sein.

Ein Kind ab einem Alter von sechs Monaten reagiert auf sein Spiegelbild, indem es versucht, das Baby im Spiegel anzufassen. Es erkennt das Bild allerdings nicht als sein eigenes, sondern sieht es als ein anderes Baby. Malt man einen roten Punkt auf die Nase des Babys, erkennt man bei Babys ab 15 bis 18 Monaten, dass sie nach ihrer eigenen Nase greifen, das heißt, sie sind sich bewusst, das sie sich selbst im Spiegel betrachten.

Während es keinen Zweifel gibt, dass Schüchternheit nicht angeboren, sondern angelernt ist, werden Menschen dennoch mit biologischen Eigenschaften geboren, die ihr Verhalten von klein auf beeinflussen. Babys, die mit einer sogenannten Temperamentshemmung geboren werden, reagieren übermäßig auf äußere Einflüsse. Bei Babys zeichnet sich diese Reaktion durch einen höheren Puls, länger anhaltendes Weinen bei lauten Geräuschen und verstärktes Treten und Schlagen. Im Alter von zwei Jahren sieht man Kindern mit angeborener Temperamentshemmung, das sie sich hinter den Eltern verstecken, wenn ein Fremder hinzukommt. Sieben- bis Achtjährige mit Temperamentshemmung sieht man häufiger allein spielen. Solches Verhalten wird von Eltern und Lehrern als Schüchternheit bezeichnet.

Temperamentshemmung ist zwar eine angeborene Eigenschaft, führt aber nicht zwangsläufig zu Schüchternheit. Kinder mit dieser angeborenen Eigenschaft haben eine größere Wahrscheinlichkeit, schüchtern zu werden. Schüchternheit wird in den meisten Fällen durch die Reaktion der Menschen im Umfeld auf ihr gehemmtes Temperament erlernt. Je häufiger ein ohnehin schon stark selbstempfindender Mensch als "schüchtern" bezeichnet wird, umso mehr zieht er sich zurück.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen