Mann mit grau meliertem Haar
Mann mit grau meliertem Haar

Bekommt man graue Haare durch Stress?

Mann mit grau meliertem Haar

Es existiert ein Glaube, dass ein Schock oder ein Zustand mit extremem Stress die Haare über Nacht ergrauen lassen kann. Auf den ersten Blick gibt es plausible Erklärungen für dieses Phänomen, doch stimmt es wirklich, dass Stress graue Haare macht?

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Es ist erwiesen, dass es biologische Mechanismen im Körper gibt, die bei emotionalem Stress das Haarwachstum beeinflussen. Menschliches Haar wächst in Zyklen. Während der anagenen Phase wachsen die Haare und es werden Pigmente in den Haarfollikeln produziert. Diese Phase wird von der katagenen Phase, der Ruhephase gefolgt. Die telogene Phase schließt den Zyklus ab und ist eine inaktive Phase.
Die Dauer der anagenen Phase ist genetisch bedingt und wird zudem hormonell beeinflusst. Sie dauert gewöhnlich zwischen zwei und acht Jahre. Am Ende der anagenen Phase hören die Follikeln auf, Pigmente zu produzieren und bereiten sich auf die telogene Phase vor. Diese dauert zwischen sechs Monaten und eineinhalb Jahren, bis wieder die anagene Phase beginnt.
Dieser Zyklus wiederholt sich zirka zehn Mal, bevor die Follikeln keine Pigmente mehr produzieren und farbloses Haar wächst. Dieses pigmentlose Haar bezeichnen wir als graue oder weiße Haare.

Starker Stress kann bewirken, dass eine erhöhte Anzahl an Follikeln zur gleichen Zeit in die telogene Phase treten. Dieses Phänomen bezeichnet man medizinisch als Telogen effluvium und es wird häufig durch Medikamente verursacht, die die hormonelle Kontrolle des Haarzyklus beeinflussen.

Doch auch das plötzliche, gleichzeitige Eintreten vieler Follikeln in die telogene Phase passiert nicht über Nacht. Der Grund, warum es oft den Eindruck erweckt, dass die grauen Haare plötzlich auftreten, liegt in der Wahrnehmung und Erinnerung des Menschen. Man erinnert sich eher an die gestressten Menschen, die ergraut sind als an die gestressten Menschen, die ohne sichtbare Ergrauung durch die schwierige Phase gehen. Auch neigt man dazu, Menschen mit frühzeitiger Ergrauung zu bemerken, die überhaupt keinen Stress hatten.

Stress und Schock können also bewirken, dass die Follikeln mit der Pigmentproduktion frühzeitig aufhören, doch dies geschieht nicht von einem Tag auf den anderen.