
Auf Tragödien, die einen selbst betreffen, reagiert man automatisch und verständlicherweise mit Wut und Rachegedanken. Doch leider sind es eben diese Rachegedanken und der damit verbundene Hass, die Öl in das Feuer gießen und eine bereits brisante Situation eskalieren lassen.
Vergangene Reaktionen der westlichen Welt auf Attentate und Terroranschläge haben keineswegs zur Eliminierung dieser geführt, sondern den Hass der Gegner und die Angst der Bevölkerung nur drastisch verschlimmert.
Die Bombenexplosionen des Bostoner Marathons haben natürlicherweise in vielen Menschen die Sehnsucht geweckt, Vergeltung an den Schuldigen auszuüben. Leider bleibt es nicht dabei. Twitter-Kommentare und Internetbeiträge haben die deutliche Tendenz zur Gewaltbereitschaft der amerikanischen Bevölkerung gezeigt. Öffentlich wurde die Meinung verkündet, dass als Antwort auf den Terroranschlag das Vaterland der verantwortlichen Terroristen ausgebombt werden soll.
Jetzt sehen wir mal völlig davon ab, dass viele Amerikaner das Herkunftsland der Verdächtigen (Tschetschenien) mit der vollkommen unbeteiligten Tschechischen Republik verwechselt haben. Die Äußerung eines solchen Racheaktes zeigt leider deutlich, dass diejenigen, die solche Rachegedanken schüren, keinen Deut besser sind als die Terroristen selber, denn beim Ausbomben eines Landes oder auch nur einer Stadt würden unweigerlich viele Menschen leiden, die überhaupt nichts Unrechtes getan haben. Und was würde eine solche Aktion wiederum hervorrufen? Den Hass der Welt auf die Amerikaner, wie schon der Irakkrieg.
Gleiches mit Gleichem zu vergelten ist keine Lösung, sondern führt zur Eskalation. Was würden gleichgesinnte Prager machen, wenn ihre Stadt aus Rache von den USA zerbombt würde? Sie würden ihrerseits die unschuldigen Opfer rächen wollen.
Es ist Zeit, damit aufzuhören. Verständlich wie die Reaktion auf einen solchen Terrorakt auch sein mag, wir dürfen nicht mit Gewalt und Hass reagieren.
Bernd Zimmer, Mitwirkender bei Neuropool
