Gerade selbständig gemacht? Die 10 häufigsten Fehler als Jung-Unternehmer

Gerade selbständig gemacht? Die 10 häufigsten Fehler als Jung-Unternehmer


Seid mal ehrlich, ihr alle habt bestimmt schon mal schlaue Bemerkungen über anderer Leute Geschäfte gemacht, nach dem Motto: 'ich würde die Werbung ja so und so machen' oder ' das ist ja dumm, mit dem Logo kauft doch da keiner'...

Und was sind wir gut im Ratschlägegeben, wenn Bekannte uns von Problemen in ihren Klein- oder Mittelunternehmen berichten.

Doch wenn wir irgendwann mal den Schritt in die Selbständigkeit tun, stellen wir fest, dass wir von all dem gar keine Ahnung haben, denn die Realität ist anders als unsere fantasiegesponnene Idealwelt.

Und so kommt es, dass wir als Unternehmensfrischlinge alle immer wieder dieselben Fehler machen.

Ich möchte euch eine kleine Hilfe aus Erfahrung geben, damit ihr vielleicht schon ein paar Schritte weiter seid, wenn ihr anfangt.

Die Wahl des Geschäftspartners.

Passt bloss auf, an wen ihr euch vertraglich bindet. Die bekannt Faustregel lautet: Das Geschäftliche vom Privaten trennen! Das heisst aber auch wieder nicht, dass ihr euch mit wildfremden Leuten einlassen sollt, aber euer bester Freund hat wahrscheinlich ganz andere Vorstellungen als ihr, und wenn eure geschäftliche Beziehung in die Binsen geht, ist eure Freundschaft auch dahin.

Ich selbst habe mich leider auch nicht immer daran gehalten, entegegen meines inneren Gefühls. Eine sehr gute Bekannte, mit der ich kürzlich einen Einzelhandel aufmachte, war völlig einer Meinung mit mir und meinen Ideen, bis es dann ans Verkaufen ging. Jetzt sind wir verfeindet.

Hier ein Beispiel: wir hatten vorher vereinbart, das wir über jede Entscheidung abstimmen. Sie hatte eine Stimme, ich hatte eine und eine weitere Stimme kam von einer vorher bestimmten dritten Partei. Dieses System garantiert, dass es immer zu einem eindeutigen Ergebnis kommt. Theoretisch.

Aber in den meisten Fällen konnte ich sie nicht einmal zu einer offiziellen Abstimmung motiviere, oder sie ignorierte das Ergebnis einfach, wenn es gegen ihre eigene Vorstellung war.

Also mein Tipp: Wenn möglich, sei du der alleinige Boss. Du ziehst entweder alles allein durch, oder suchst dir einen stillen Teilhaber, der dir nur finanziell hilft, aber nichts zu sagen hat.

Versucht nicht krampfhaft, jeden als Kunden zu bekommen

Auch wenn Verkaufen das A und O jeder Firma ist, darf man nicht jedem sein Produkt aufzwingen. Je nach Situation kann es sogar besser fürs Geschäft sein, wenn man einen Kunden mal zur Konkurrenz schickt. Es geht darum, dass der Kunde das Gefühl hat, bestens und vor allem in seinem Interesse beraten zu werden. Ehrlichkeit zahlt sich aus!

Beispiel: Ich kann mein Produkt an den Kunden in ca. 5 Tagen fertigstellen, wenn alles normal geht. Vielleicht, mit ein bisschen Glück und einer Sonderschicht, schaffe ich es in 3 Tagen. Ganz wichtig: unbedingt dem Kunden gegenüber ehrlich sein und ihm das erklären. Auf keinen Fall sollte ich ihm seine Ware für morgen versprechen, da er es eilig hat, und mir sonst möglicherweise der eine Verkauf flöten geht. Wenn ich ein falsches Versprechen mache, und dann am nächsten Tag beichten muss, dass das Produkt nicht fertig ist, wird der Kunde wahrscheinlich sauer, und beim nächsten Mal geht er dann mit Sicherheit zur Konkurrenz. Besser ist es, dem Kunden von vornherein reinen Wein einzuschenken. Er wird dann entweder woanders hingehen, aber mit dem guten Gefühl, fair und ehrlich beraten worden zu sein, oder aber (meistens der Fall) gibt er sich mit der Lieferzeit zufrieden, denn so unbedingt eilig hat er es eigentlich gar nicht.

Im ersten Fall wird der Kunde vielleicht woanders hingehen, dann aber feststellen, dass es dort genauso lange dauert.

Im zweiten Fall weiß der Kunde die Ehrlichkeit zu schätzen und plant dann beim nächsten Mal mehr Lieferzeit ein.

Desweiteren gilt es unter diesem Punkt zu sagen, dass mein Produkt nicht unbedingt was für jeden Kunden ist. Es ist wichtig, das im Gespräch mit dem Kunden herauszufinden.

Es bringt gar nichts, wenn ich einem Eskimo einen Kühlschrank aufschwatze und er dann zwar Geld bei mir ausgibt, aber zurück am Nordpol feststellt, dass er keinen Kühlschrank braucht. Er wird dann höchst unzufrieden sein und unseren Namen in schlechter Erinnerung behalten. Wenn er dann in Zukunft einen Ofen kaufen will, wird er zu mir nicht mehr kommen, denn er fühlt sich übers Ohr gehauen.

Stattdessen sage ich ihm lieber direkt, dass ein Kühlschrank für ihn nicht das Richtige wäre, und vielleicht, wenn ich versiert genug bin, biete ich ihm ein anderes meiner Produkte an. Aber das ist weniger wichtig, als Offenheit.

Zu viel Geld investieren


1998 startete ich einen Telekommunikationsladen. Damals dachte ich natürlich, Image ist alles und habe direkt in die Vollen gegriffen: Schicker Laden mit Designerinventar, speziell für mich designtes Logo und natürlich Visitenkarten, alle Arten von Büroartikeln für den Fall der Fälle. Ich musste dann feststellen, dass jeder Cent, den ich ausgab, erst doppelt wieder reinkommen musste, bevor ich einen Profit machte. Das sind eine Menge Handys, die man erst mal verkaufen muss. Schnell bin ich dann auch in die roten Zahlen gerutscht und es dauerte einfach zu lange, bis sich das Geschäft irgendwann mal rentieren würde.

Da ich nicht bereit (und nicht in der Lage) war, für meinen nächsten Versuch als Selbständiger, (als Schildhersteller), viel zu investieren, habe ich ganz klein angefangen. Ich habe das Allernötigste billig in China gekauft und ansonsten meine privaten Artikel benutzt. Mein “Laden” bestand aus einer freigeräumten Ecke meines Wohnzimmers. An Rohmaterial (PVC) habe ich nur die 5 häufigsten Farben gekauft. Wenn ein Kunde andere Farben wollte, musste er eben warten, bis ich sie mithilfe seines Vorschusses beim Großhändler erstanden hatte.

Natürlich ging es recht langsam vorwärts, da ich mich in Sachen Werbung auf meine heimgedruckten Handzettel verlassen musste, aber als sich mein Laden herumsprach, kam die Sache in Schwung. Von jeden Profit zweigte ich etwas ab, dass ich zur Verbesserung in das Geschäft steckte, aber immer nur so wenig, dass ich immer noch selbst genug übrig hatte.

Das Geschäft existiert heute noch. Es ist inzwischen in ein richtiges Büro umgezogen und hat mehrere Computer, eine neue Maschine und jede Menge Rohmaterial. Als es erfolgreich wurde, wollte ein Nachbar von mir daran teilhaben. Da er selbst kein Eigenkapital hatte, arbeitet er jetzt jeden Tag an den Schildern, während der Gewinn mit mir geteilt wird.

Zu wenig Geld investieren


Es ist allerdings auch ein Fehler, gar zu geizig zu sein. Ihr solltet also lieber einen Profi anheuern, wenn sein Ergebnis zweckdienlicher ist als euer hausgemachtes. Genauer Preis-Leistungsvergleich mit dem Equipment ist absolut notwenig, das in der Anschaffung Billigste, ist später nicht unbedingt günstiger in der Unterhaltung. Oder die zwar leicht teurere Maschine arbeitet effizienter und produktiver als das billigere Modell, d.h. ihr könnt mehr Produkt in der gleichen Zeit herstellen. Gebt euch nicht mit dem veralteten Heimcomputer zufrieden, so dass ihr mehr Zeit mit seiner Reparatur verbringt, als mit der Produktion von Gewinn.

Es ist natürlich schwer, die richtige Entscheidung zu treffen. Wann bin ich zu geizig, wann zu verschwenderisch? Am besten holt ihr euch Rat bei einer von euch respektierten Person ein. Manchmal wird es offensichtilich, wenn man nur darüber redet.

Nicht auf eure innere Stimme hören

Intuition mit die wichtigste Veranlagung als Selbständiger. Mancher Riesenvertrag zwischen zwei Businessgiganten wird abgeschlossen, nur weil der Geschäftsführer 'ein gutes Gefühl' dabei hatte. Logik spielt da nur eine untergeordntete Rolle. Wenn ihr eure wichtigsten unternehmerischen Entscheidungen nur auf Logik basierend trefft, fallt ihr höchstwahrscheinlich auf die Nase.

Manchmal ist es schwer, nein zu sagen, wenn alles zu stimmen scheint, mein Bauch aber dagegen ist. Sehr oft stelle ich später fest, dass meine Intuition recht hatte, und bereue, nicht darauf gehört zu haben.

Die innere Stimme spielt eine sehr wichtige Rolle bei Entscheidungen im Business. Darum versucht unbedingt, eure Intuition mit zubefragen. Unser Unterbewusstsein nimmt oft Dinge wahr, deren wir uns nicht bewusst sind, und basiert seine Entscheidung auf diesen Wahrnehmungen. Vergesst nicht: Das Unterbewusstsein ist unser besterFreund und hat die gleiche Lebenserfahrung wie wir. Deshalb sollten wir es mitreden lassen.

Annehmen, dass ein Vertrag eingehalten wird

Ich habe den Fehler selbst so oft gemacht und mache ihn immer noch. Leider bin ich recht naiv, wenn es um andere Mitmenschen geht. Ich setze oft voraus, dass sie genauso denken wie ich.

Für mich bedeutet ein schriftlicher Vertrag, dass ich an die Sache gebunden bin. Daher setze ich das auch bei anderen voraus. Aber die meisten Geschäftsleute sind skrupelloser und hartgesottener als ich. Wenn sie einen Vertrag unterschreiben und sich dann umentscheiden, interessiert sie nicht, was aus mir und meinem Stück rechtskräftigem Papier wird. Sollte ich dann jedes Mal vor Gericht gehen? Außer den anfallenden Anwaltskosten, die ich in jedem Fall vorlegen muss, kostet es jede Menge Zeit und Nerven und ist am Ende die Mühe nicht wert. (Ich bin seit 7 Monaten dabei, jemanden zu verklagen, der einen Vertrag gebrochen hat.) Ich versuche lieber daraus zu lernen und Sinnvolleres zu tun.

Schriftliche Verträge sind trotzdem notwendig, besonders wenn man mit größeren Firmen zu tun hat, bei denen viele Leute ein und ausgehen. Und zumindest fühlen sich diejenigen, die genauso denken wir ihr sich an den Vertrag gebunden. Aber die Verträge spielen neben der persönlichen Beziehung zum Vertragspartner eine untergeordnete Rolle. Der Vertrag ist nicht der Deal, nur der 'Schatten' des Deals. Die persönliche Beziehung ist der eigentliche Deal. Das darf man nicht vergessen. Pflege deine Geschäftsbeziehungen und kümmere dich erst in zweiter Linie um das Geschriebene.

Bedenke, wenn die persönliche Beziehung sauer wird, wird dich ein schriftlicher Vertrag nicht retten. Er definiert nur die einzelnen Rollen und Pflichten der Beteiligten. Die Beziehung verpflichtet die Vertragspartner, diese Rollen und Pflichten einzuhalten. Nachdem ich das begriffen hatte, habe ich mich mehr auf die Gerschäftsbeziehungen konzentriert als auf das Schrigtliche und meine Deals gingen viel reibungsloser ab.

Sich zu sehr verstellen

Maht euch selbst und vor allem den Kunden nichts vor. Gebt nicht vor, jemand zu sein, der ihr nicht seid. Wenn ihr ein Newcomer als Selbständiger seid, steht dazu. Glaubt nicht, iht müsstet den Kunden was vorschauspielern. Früher oder später finden die Kunden das heraus und man verliert seine Glaubwürdigkeit.

Verkauft euer Produkt eurem Können und Talent gemäß. Hochstapeln hilft nur kurzfristig und ist ein Rezept zum Scheitern.

Als Frischling in der Welt der Selbständigkeit dachte ich ich müsste 'businesslike' sein, schließlich hatte ich als 'Chef' einer Firma eine große Verantwortung und musste mich dementsprechend verkaufen.

Es hat ein paar Jahre gedauert, aber ich habe inzwischen gelernt, einfach nur ich selbst zu sein. Wenn man ehrlich zu sich selbst ist, kann man auch ehrlich zu den Kunden sein. Wie schon gesagt, die Kunden merken es, wenn man sich verstellt und fühlen sich für dumm verkauft.

Wenn wir alle uns wie Businessmaschinen benehmen würden, wäre jedes Geschäft gleich. Man könnte sich programmieren, immer auf bestimmte 'businesslike' Weise zu agieren und reagieren. Unser stinknormales Ich gibt unserer Firma eine persönliche Note. Sie macht uns einzigartig und unterscheidet uns von der Konkurrenz.

Das Ziel aus den Augen verlieren

Unser Hauptziel ist es, Geld zu verdienen, Gewinne zu erzielen. Keine Frage. Doch dürfen wir uns nicht nur auf den Gewinn konzentrieren, und dabei etwas Wichtiges vergessen: Mit unserem Produkt wollen wir einen Wert erschaffen. Einen Wert, den unsere Kunden erkennen und uns durch ihren Kauf zu Gewinn verhelfen.

Wir brauchen unseren Fokus nur auf dieses Ziel zu richten und der Rest gibt sich von allein. Man kann kurzfristig Gewinne machen ohne irgendeinen Wert zu verkaufen, aber langfristig zahlt sich das nicht aus. Je mehr ihr versteht, was euer Produkt 'wertvoll' macht, umso besser könnt ihr euch darauf konzentrieren.

Also nicht einfach irgendein Zeug verkaufen und aufs Beste hoffen. Davon gibt es schon genug. Aber es wird immer ehrlichen Wert brauchen, also richtet eure Anstrengung darauf, dann kommt der Erfolg ganz von selbst.

Zu formell sein

Wie schon mehrfach erwähnt, im Geschäftsalltag geht es um persönliche Beziehungen zwischen zwei menschlichen Wesen. Das sollte natürlich nicht zu weit gehen, wir dürfen unser Gegenüber nicht genauso behandeln wie unseren besten Saufkumpanen.

In manchen Kulturen ist es üblich, sich mit Vornamen anzusprechen und zu duzen. In Deutschland würde das einen Mangel anRespekt bedeuten und wäre beleidigend. Wir wollen also schön bei dem altbewährten 'Herrn Sowieso' bleiben, zumindest bis wir ihn näher kennen.

Aber die persönliche Beziehung im Geschäftsleben braucht ein Gesicht. Ich muss meinen Gesprächspartner wie einen Freund behandeln, nicht wie einen Computer. Wenn ich eine ehrliche Beziehung (unter Beachtung der Respekts- und Höflichkeitsregeln) aufbaue, können beide Seiten an dem Deal Spaß haben. Und Spaß ist immer gut für Geschäft.

Zu viel Formalität schafft eine Mauer zwischen zwei Personen. Eine Mauer ist ein Hindernis und steht dem Businessdeal im Weg. Sie muss erst eingerissen werden.

Annehmen, dass die Mitarbeiter genauso denken wie ihr

Denkt immer daran, für eure Mitarbeiter ist es nur wichtig, dass sie morgens erscheinen, abends weggehen und am Ende des Monats ihr Geld bekommen. Sie sind nicht daran interessiert, ob die Kunden zufrieden sind oder das Geschäft einen Gewinn abwirft. In der Regel denken sie nicht soweit, dass ein gutgehendes Geschäft ein sicherer Arbeitsplatz ist. Sie wollen nur ihre Ruhe haben.

Es ist also immer gut, wenn man die Möglichkeit hat, den Mitarbeitern einen Grund zu geben, den Gewinn zu steigern und/oder die Produktqualität zu verbessern. Wenn sie einen persönlichen (finanziellen) Vorteil darin sehen, sich anzustrengen, werden sie das tun. Sonst leider nicht.

Die Bedienung in Restaurants ist freundlich zu den Speisenden, weil sie sich ein Trinkgeld erhofft. Es ist ihnen völlig egal, ob es dem Gast schmeckt oder ob er wieder kommen wird.

Im Gegensatz zu euch als Chef, der ihr stets auf Qualität und guten Service bedacht seid, wollen die Mitarbeiter nur ihren Tag herumkriegen.

Leider kenne ich keinen anderen Weg, die Mitarbeiter zu motivieren, als sie am Umsatz zu beteiligen oder ihren Arbeitsplatz so begehrenswert zu machen, dass sie alles dafür tun würden, um ihn zu behalten.

Dabei muss man streng darauf achten, dass wirklich nur Fleiß belohnt wird (wie bei der direkten Umsatzbeteiligung), dass nur derjenige belohnt wird, der mehr verkauft hat. Also nicht von vornherein zuviel Gehalt zahlen in der Hoffnung, dass die Mitarbeiter das zu schätzen wissen. Eher weniger und mit der Möglichkeit auf einen Bonus. Da trennt sich die Spreu vom Weizen und man füttert keine Faulpelze durch.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.