Was sollte man nicht zu Kindern sagen

Was sollte man nicht zu Kindern sagen

Kinder lernen besser durch positive Bestärkung als durch Verbote und Tadel, will heißen, dass positives Verhalten gelobt werden sollte und negatives Verhalten zwar gezeigt, aber nicht hart bestraft.

 

Durch das Loben guten Verhaltens prägt sich ein positives Gefühl im Gehirn, welches in Zukunft danach strebt, ähnliches Verhalten an den Tag zu legen. Übermäßiges Schimpfen, Schreien, Strafe und Prügel sorgen nur dafür, dass das Kind trotzig und rebellisch wird, aber nicht versucht, sein Verhalten zu ändern. Im Gegenteil, das Kind lernt, sich bei solchem Verhalten nicht erwischen zu lassen oder mit der Strafe umzugehen.

Auch wenn es für die Eltern oft schwierig ist, neben den quengelnden Fragen der Kinder Arbeiten zu erledigen und alles gleichzeitig zu machen, gibt es einige Dinge, die man niemals zu seinem Kind sagen sollte, denn das Kind versteht die Situation nicht und nimmt sich die bösen Worte zu Herzen.
In einer überreizten Lage sagen viele Eltern die falschen Worte und verletzen die Gefühle der Kinder. In gewisser Weise ist dies ein wichtiger Teil des Lernens, denn Kinder müssen merken, wann sie die Grenzen überschreiten, um ein Zusammenleben innerhalb der Familie möglich zu machen. Dennoch sollte man sich bemühen, die folgenden verbalen Ausrutscher durch sanftere, kinderfreundlichere Alternativen zu ersetzen.

Dies sollte man nie zu seinen Kindern sagen

1. Lass mich in Ruhe!
Eltern, die sich nicht gelegentlich eine Pause von den Kindern wünschen, gibt es nicht. Die Auszeit ist notwendig, um die verbrauchten Nerven wieder zu erholen, also sozusagen die Batterien aufzuladen. Doch wenn es zur Gewohnheit wird, zu den Kindern zu sagen: Lass mich in Ruhe, ich bin beschäftigt!, fühlen sie sich weggestoßen. Sie ziehen sich zurück und vermeiden Kommunikation mit den Eltern, da sie denken, dass sie sowieso wieder abgewehrt werden. Später, wenn es wichtiger wird, Gefühle und Gedanken der Kinder zu wissen, werden sie sich den Eltern nicht mehr mitteilen.
Kinder sollten von klein auf lernen, dass die Eltern ab und zu Zeit für sich brauchen. Als Erleichterung dienen Babysitter, Kindergarten oder Krabbelgruppen oder auch mal eine halbe Stunde Fernsehen.
Für besonders stressige Situationen sollten sich die Eltern vorher zurecht legen, was sie den Kindern sagen. Zum Beispiel erklärt man ihnen, dass man einige Minuten braucht, um etwas zu Ende zu machen und danach mit den Kindern spielen wird.

2. Du bist so…!
Kinder sollte man nicht in eine Schublade stecken. Hören sie zum Beispiel, dass die Eltern sie sie als "gemein" oder mit einem sonstigen negativen Adjektiv bezeichnen, wird dies zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Kinder glauben, was man ihnen sagt, besonders, wenn es um sie selbst geht. Auch scheinbar neutrale Adjektive stecken die Kinder in eine Schublade und setzen unnötige Erwartungen voraus.
Besonders schlimme WOrte verletzen die Kinder tief. Wer kann sich nicht daran erinnern, von seinen Eltern als faul, dumm oder nichtsnutzig bezeichnet worden zu sein?
Stattdessen sollte das jeweilige Verhalten mit dem Kind besprochen werden, ohne sich dabei auf den Charakter des Kindes zu beziehen.

3. Nicht weinen!
Kinder können ihre Gefühle nicht in Worte fassen. Deshalb werden sie traurig und fangen an zu weinen. Auch wenn es natürlich ist, die Kinder vor Traurigkeit und Angst beschützen zu wollen, sind diese Gefühle wichtig für das Kind. Sagt man ihnen, "nicht weinen" oder "hab keine Angst", hilft man ihnen nicht und gibt ihnen das Gefühl, dass ihre Ängste und Emotionen keine Wertigkeit haben.
Besser hilft man dem Kind, indem Traurigkeit oder Angst anerkannt und verstanden werden. So kann man mit dem Kind darüber sprechen, was diese Gefühle auslöst und es lernt dadurch, sich auszudrücken. Mitgefühl von den Eltern zeigt den Kindern, Mitgefühl mit anderen Menschen zu haben.

4. Kinder miteinander vergleichen
Vergleicht man Kinder mit ihren Geschwistern und deutet auf etwas hin, was das andere bereits kann, ist das fast immer ein Schuss nach hinten. Das Kind hat seine eigene Persönlichkeit und seine eigenen Stärken und Schwächen, nicht die des anderen Kindes.
Jedes Kind entwickelt sich auf seine Weise. Was das eine Kind schon früh kann, lernt das andere vielleicht erst später, doch das gleicht sich durch andere Dinge wieder aus. Fühlen sich die Kinder unter Druck gesetzt, dem Geschwistervorbild nachzueifern, beschleunigt dies den Entwicklungsvorgang keineswegs, sondern macht das Kind auf seine Schwächen aufmerksam. Stattdessen sollten positive Erfolge eines Kindes gelobt werden, ohne dabei Bezug auf das andere Kind zu nehmen.

5. Drohungen
Drohungen sind fast immer das Ergebnis totaler Frustrierung, doch selten effektiv. Drohungen wie "mach das nicht, sonst…" sorgen oft für Probleme. Zum einen muss man früher oder später die Drohung wahrmachen, damit sie überhaupt noch ernst genommen wird. Doch wichtiger ist, dass die Aussicht auf Strafe nur selten das Verhalten der Kinder Ändert. Auch eignen sich die Kinder diese Sprache an und bedrohen jüngere Kinder.

6. Warte, bis Papa nach Hause kommt!
Dieses bekannte Cliché ist eine andere Form der Bedrohung und untergräbt die Disziplin. Um wirkungsvoll zu sein, muss man sofort Maßnahmen ergreifen. Werden die Konsequenzen verschoben, bis der Vater nach Hause kommt, haben die Kinder bis dahin vergessen, was sie falsch gemacht haben. Andersherum kann die Erwartungsangst vor der Strafe viel schlimmer sein, als die Untat rechtfertigt.
Dazu kommt, dass die Autorität der Mutter geschmälert wird, denn sie ist offensichtlich nicht in der Lage, selbst zu handeln. So werden die Kinder weniger auf das hören, was die Mutter zu sagen hat, denn sie wird selbst nichts dagegen unternehmen. Ungefragt wird der Vater auch in die Rolle des bösen Polizisten gedrängt, denn von ihm werden Disziplinarmaßnahmen erwartet, obwohl er noch nicht einmal in der Situation anwesend war.

7. Beeil dich!
In der schnelllebigen Zeit, in der Termine eingehalten werden, gehört dies wahrscheinlich zum Standardsatz der Eltern, denn Kinder haben noch keinen Zeitbegriff. Man kann ruhig dem Kind sagen, dass nicht viel Zeit bleibt, doch kommt es auf den Tonfall an. Steht man Füßetrippelnd mit den Händen in den Hüften im Türrahmen, gibt man den Kindern schnell ein Schuldgefühl dafür die Eltern warten zu lassen, doch können sie eigentlich nichts dafür. Für das Kind ist es wichtiger, seine Schuhe in aller Ruhe "ganz allein" anzuziehen, als pünktlich irgendwo anzukommen. Das Schuldgefühl wirkt sich negativ auf das Kind aus, hilft aber nicht dabei, schneller fertig zu werden.
Auch ist es sicherlich nicht besonders schön, wenn das letzte Bild der Mutter vor dem Kindergarten das einer verärgerten Furie ist, die scheinbar grundlos herumschreit. Da alles Schreien und Schimpfen sowieso nichts hilft, sollte man lieber auf ruhige Weise versuchen, die Kinder ein wenig anzutreiben. Das geht auch schon mal durch ein bisschen Bestechung, zum Beispiel: setz dich schnell ins Auto und du bekommst einen Lutscher!

8. Gut gemacht! ist nicht immer das beste Lob
"Gut gemacht", "guter Junge" oder "toll" sind schöne Phrasen für die positive Bestärkung, allerdings nur, wenn sie nicht zu großzügig verteilt werden, dass sie ihre Bedeutung verlieren. Kinder verstehen auch den Unterschied zwischen einem Lob für Banales und für richtige Mühe.
Damit der Satz seine positive Wirkung behält, sollte er nur für richtigen Einsatz gesagt werden. Wenn ein Kind jeden Tag Dutzende von Bildern malt, sollte nicht jedes davon hochgelobt werden.
Das Lob "gut gemacht" kann zu allgemein sein. Etwas spezifischer werden und die Farben des Bildes lobend hervorheben.
Besser das Verhalten loben als das Kind, also besser sagen, "du hast dich sehr angestrengt für dein Bild" als einfach zu sagen "guter Junge".
Wichtig ist natürlich auch der Ton. Die Mühe des Kindes verdient die volle Aufmerksamkeit, wenn das Lob angebracht klingen soll. Schaut man nicht einmal von der Zeitung auf und sagt geistesabwesend "gut gemacht, mein Sohn", spürt das Kind, dass dies kein ehrliches Lob war.

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