Tiere vor Gericht

Leierkastenmann mit Affe

Niemand steht über dem Gesetz, nicht einmal die Vierbeiner. In der Vergangenheit wurden Tiere vor Gericht gestellt und verurteilt.

 

So absurd es heutzutage auch klingt, früher hat man Tiere vor Gericht angeklagt, sei es wegen eines Verbrechens gegen einzelne Personen oder weil sie eine Gefahr für die Gesellschaft darstellten.

 

Wenn diese Tiere für schuldig erklärt wurden, wurden sie meist hingerichtet oder ins Exil geschickt. Die meisten dokumentierten Gerichtsprozesse gegen Tiere fanden in Europa zwischen dem 13. und dem 18. Jahrhundert statt. Im Mittelalter wurden Nagetiere, Vögel, Fliegen, Grashüpfer, Aale und Schlangen oft wegen Zerstörung der Ernte angeklagt. Erschienen die Tiere nicht selbst vor Gericht, wurden sie 'in absentia' verurteilt. Die angeklagten Tiere bekamen sogar einen Verteidiger, der Zeugen aufrufen und verhören durfte.

 

Schweine

Der erste Gerichtsprozess gegen ein Schwein fand 1266 in Fontenay-aux-Roses statt. Im Jahre 1386 wurde eine Sau wegen Verstümmelung eines unbeaufsichtigten Kleinkindes, dass man in seinem Stall zurückgelassen hatte, angeklagt. Die Sau wurde verhaftet und mit menschlichen Kriminellen zusammen in eine Zelle gesperrt. Während des Prozesses wurden mehrere Zeugen aufgerufen und Beweismaterial präsentiert.

Das Urteil lautete: Schuldig wegen Mordes. Am Tage seiner Hinrichtung trug das Schwein einen Herrenmantel und eine weisses Hemd, um die Gleichwertigkeit von Mensch und Tier vor dem Gericht zu symbolisieren. Das Schwein wurde wie das Kleinkind brutal verstümmelt.

 

Elefanten

Im Jahre 1916 tötete der Zirkuselefant Mary einen Elefantendompteur während einer Zirkusparade in Erwin, Tennessee. Die Elefantenkuh mit dem stolzen Gewicht von 5 Tonnen wurde angeklagt, verurteilt und an einem Industriekran aufgehangen.

 

Affen

Ein Affe wurde in Indiana einmal wegen Zigarettenrauchen verurteilt.

Daneben gab es im Jahre 11877 den Affen eines Leierkastenmannes, der verklagt wurde, weil er während einer Vorstellung Mary Shea, die Inhaberin eines Ramschladens in New York angegriffen hatte. Der Affe Jimmy hatte von ihr ein Stück Zucker als Belohnung bekommen. Als er dieses fraß , versuchte sie spielerisch, es ihm wegzunehmen, woraufhin Jimmy wütend wurde und ihr den Ringfinger der rechten Hand abbiss. Als der Richter Jimmy freisprach, sprang dieser auf den Richtertisch, nahm seinen Filzhut ab und schüttelte dem Richter die Hand.

Im Polizeibericht stand hinterher: Name: Jimmy Dillio, Beruf: Affe, Urteil: Freispruch.

 

Esel

In Fällen von Geschlechtsakt mit Tieren wurde das Tier gewöhnlich als gefügig angesehen und daher angeklagt und zusammen mit dem menschlichen Täter hingerichtet. Im Jahre 1750 geschah es, dass Jacques Ferron mit einer Eselin erwischt wurde und vor Gericht gestellt wurde. Zum Glück für die Eselin trat ein Zeuge hervor, der aussagte, dass er die Beklagte seit Jahren als tugendhaft und gehorsam kenne. Der Esel wurde freigesprochen. Da niemand für Ferron aussagte, wurde er auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

 

Prozesse gegen Tiere gab es bis weit in die moderne Zeit, doch nach dem Aufklärungszeitalter gab es sie weniger häufig. Heutzutage sieht das juristische System Tiere als Kreaturen ohne moralische Handlungsfähigkeit, die daher nicht eines Verbrechens schuldig bekannt werden können.

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