Ist Schüchtern sein falsch? Die Wahrheit über Introvertierte

Ist Schüchtern sein falsch? Die Wahrheit über Introvertierte

Es gibt zwei Arten von Menschen: extrovertierte und introvertierte. Während extrovertierte Menschen aus sich herausgehen und gern im Mittelpunkt stehen, sind introvertierte Menschen eher in sich gekehrt und lieben das Alleinsein.


Es handelt sich um zwei unterschiedliche Arten von Charakteristiken, die beide ihre Daseinsberechtigung haben. Keine von beiden ist besser oder schlechter als die andere. Dennoch werden die Qualitäten und Eigenschaften introvertierter Menschen in unserer Gesellschaft oft in einem negativen Licht gesehen, daher denken die meisten Leute, introvertiert sein sei 'falsch'.

In Wirklichkeit handelt es sich jedoch einfach um Missverständnisse. Die beiden Arten sind etwa so verschieden wie Hund und Katze. Beide haben ihre eigene Sprache, aber sie können nicht miteinander kommunizieren, bzw missdeuten die Sprache des anderen.

Hier sind fünf Punkte, die zum Verständnis zwischen Extrovertierten und Introvertierten beitragen sollen.

Wenn jemand introvertiert ist, heisst das nicht, dass er scheu oder ungesellig ist.

Extrovertierte neigen dazu, die ruhigeren introvertierten ständig zu Partys zu schleppen und sie zu überreden, an irgendwelchen geselligen Unternehmungen teilzuhaben. Die introvertierten verbringen aber gern Zeit mit sich selbst, wenn sie also höflich ablehnen, wird automatisch angenommen, etwas sei nicht in Ordnung, also fragt man ständig nach. Das wiederum lässt die Introvertierten sich unbehaglich fühlen. Das Ganze ist einfach ein normales Missverständnis. Für die Extrovertierten ist die einzige Erklärung des Zurückziehens der Introvertierten, dass diese schüchtern und ungesellig sind.

Tatsache ist aber, dass beide einfach unterschiedlich ticken. Es gibt kein Falsch oder Richtig. Ein introvertierter Mensch wird einfach durch andere Teile des Gehirns motiviert und stimuliert.

Ein typisches Missverständnis während einer Party ist zum Beispiel, wenn eine introvertierte Person sich vorübergehend mental in sich zurückzieht, weil sie eine Pause braucht, eine extrovertierte Person den ernsten (in Wahrheit nur entspannten) Gesichtsausdruck falsch deutet und eine als Aufmunterung gemeint lockere Bemerkung macht, wie etwa „lach doch mal“...Der Introvertierte wird sich daraufhin bewusst, dass er nach außenhin einen 'schlechten' Eindruck macht und fühlt sich ausgegrenzt.

Eine gut gemeinte Aufmunterung verdirbt dem Andern die Party und das Selbstwertgefühl.

Introvertierte mögen oft keinen 'Small Talk'.

Wenn du mit einem introvertierten Menschen ein längeres Gespräch führen möchtest, gib dich am Besten gar nicht erst mit oberflächlichem Small Talk ab. Introvertierte Menschen neigen eher dazu, tiefgründige Unterhaltungen zu führen, wenn es sich um ein Thema handelt, dass sie interessiert. Sie debattieren und philosophieren gerne und versuchen, ihr Gegenüber genau zu verstehen und zu interpretieren. Sie sehen Small Talk als Zeitverschwendung an, es sei denn, ihr Gesprächspartner ist ihnen noch fremd.

Introvertierte Menschen brabbeln nicht einfach drauflos, nur um das Gespräch in Gang zu halten. Sie reden, wenn sie etwas zu sagen haben. Leider wird diese Eigenschaft sehr oft missverstanden und mit Arroganz verwechselt.

In der Schule wird Introvertiertsein bestraft und Extrovertiertsein belohnt. Wer ständig den Finger oben hat und dummes Zeug redet, bekommt bessere Noten als der, der sich nur dann meldet, wenn er einen sinnvollen Beitrag zu leisten hat. Lehrer und Eltern versuchen, den Schüler zu verändern, da er sich „falsch“ verhält. Die wenigsten Lehrer sind in der Lage, zwischen Blendern und wahrhaft guten Schülern zu unterscheiden. Sie machen sich nur ein oberflächliches Bild. Was die Eltern anbelangt, sollte hier Verständnis gezeigt werden. Und zwar Verständnis, dass ihr Kind eine andere Perspektive vom Leben und von der Gesellschaft hat, dass es den gleichen 'Wert' hat, wie seine extrovertierten Mitschüler. Man darf introvertierte Menschen nicht ändern wollen, denn dadurch würden sie sich selbst verleugnen.

Introvertierte sind gern in Gesellschaft, allerdings in anderer Form und weniger häufig.

Introvertierte können Vieles genauso gut, worin Extrovertierte Naturtalente sind und genießen es auch ebenso. Sie können gute Reden halten, der Mittelpunkt einer Party sein, charmant und unterhaltsam – aber nur für eine gewisse Zeit. Danach möchten sie Zeit für sich haben. Für sie ist es eine Frage der Intensität, sie leben den Augenblick, in dem sie besonders gut drauf sind und kurz 'aus sich heraus gehen' mit besonderer Intensität, an diesem Augenblick zehren sie noch lange, aber er verbraucht viel Energie. Wenn sie mit sich allein sind, können sie diesen Augenblick noch eine Weile genießen, während sie sich unbeobachtet und sicher fühlen. Das führt uns zum nächsten Punkt:

Introvertierte brauchen Zeit, um neue Energie zu laden.

Sie ziehen sich oft zurück, weil sie Zeit allein brauchen. Sie brauchen diese Zeit wie die Nahrung zum leben. Sie sind weder depressiv noch traurig, sie brauchen nur Zeit, wieder 'aufzuladen'. Gib ihnen ihre Zeit und ihren Freiraum, für sie ist es ganz natürlich.

Introvertierte haben gute (womöglich bessere) Menschenkenntnis.


In unserer heutigen Gesellschaft wird es als lebensnotwendig angesehen, aus sich heraus zugehen und sich mit 'Ellenbogentechnik' Vorteile zu verschaffen. Das ist ein uralter Überlebensinstinkt.

Wir glauben, uns so weit von den Primaten weiterentwickelt zu haben, verlassen uns aber immer noch auf unsere ältesten Instinkte. Man sollte meinen, dass wir inzwischen mit unserer Intelligenz in der Lage seien, introvertierte und extrovertierte Menschen nebeneinander parallel und in Verständnis füreinander leben zu lassen und jeden Menschen sein zu lassen, was er ist, nicht was die Gesellschaft ihn zu sein verlangt.

Da aber soviel Wert auf Extroversion gelegt wird, fühlen sich introvertierte Menschen oft in einer Zwickmühle.

Sollen sie sich selbst treu bleiben und dadurch soziale Ächtung riskieren, oder sollten sie sich anpassen und vorgeben, extrovertiert zu sein, nur um in die Gesellschaft zu passen?

Es gibt eine Menge Pioniere in der Geschichte der Menschheit, die introvertiert waren. Albert Einstein, Charles Darwin und Isaac Newton sind nur ein paar von ihnen.

Introvertierte haben Talente, von denen der Extrovertierte nur träumen kann, denn während dieser beschäftigt ist, irgendwo im Mittelpunkt zu stehen, hat der Introvertierte als stiller Beobachter Zeit, sich mit seiner Umgebung zu befassen, sie zu analysieren. Er erfasst den Charakter seines Gegenüber schnell, denn er kann hervorragend Körpersprache lesen. Er ist ein außergewöhnlich guter Zuhörer und kann sich sehr gut in die Lage eines anderen versetzen. Weil er sich nicht leicht durch Oberflächlichkeiten ablenken lässt, kann er sich sehr gut konzentrieren und beobachtet Dinge, die den meisten Menschen entgehen.

Warum es gut ist, introvertiert zu sein

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