Wie die Liebe einer Mutter ein Leben rettete, das die Ärzte nicht retten konnten.

gisela und hund willi
Ab und zu findet das Neuropool-Team "Gute Nachrichten", die es verdienen, veröffentlicht zu werden.

 

Hier ist eine Geschichte über die Entschlossenheit einer Mutter, das Leben ihres Kindes zu retten, erzählt von der Tochter, die gerettet wurde.

 

Hochachtung an Franziska, die niemals aufegegeben hat.

<<Gezeigt sind die gerettete Tochter und ihr Hund (auch dankbar dafür).

 

"Ich verbrachte eine schöne Kindheit. Dort, wo ich aufgewachsen bin, standen früher kaum Häuser und als Spielplatz stand uns die gesamte Heide zur Verfügung. Und es gab noch richtige Winter mit Schnee, so dass viel Rodeln angesagt war.

Irgendwann begann der "Ernst des Lebens", d.h., man kam in die Schule. Damals erst die Volksschule und später Realschule oder Gymnasium. Als ich im Gymnasium die Quarta erreicht hatte, war ich in dem Jahr nicht unbedingt das, was man einen Schulfan nannte und entsprechend waren auch die Noten. Die Versetzung war gefährdet. Aber "Sitzenbleiben"? Shocking - was sollten denn die Nachbarn denken und überhaupt???? Also bestimmten meine Eltern, dass ich die Schule verlassen und eine Lehre auf dem Büro beginnen müsste. Büro war für mich gleichgestellt mit Knast. Den ganzen Tag in einem Raum - furchtbar. Aber es half nichts - die Lehre wurde angefangen. Für mich war diese Umstellung seelisch schrecklich: tagsüber hatte ich zu funktionieren wie eine Erwachsene, zu Hause war ich "Blag". Dabei war ich erst 14 Jahre! Nun - die Zähne wurden zusammengebissen, ich schaffte meine Prüfung mit dem Erhalt des Kaufmannsgehilfen-Briefs und meldete mich dann zu einem Seminar für die Ausbildung zur Sekretärin an. Auch hier erhielt ich ein Fachzeugnis. Mein Vater arbeitete damals in einer Möbelspedition und war dort als Buchhalter tätig, war aber auch gleichzeitig für das Personal zuständig. Eines Tages machte er mir das Angebot, zu ihm zu kommen, was ich auch tat. Als Ausbilder war er wirklich klasse, auch zu den anderen Neulingen.

Dann kam mein Schicksalsjahr 1967. Ich litt seit Monaten unter heftigen Kopf- und Rückenschmerzen. Aber wie das so ist, als junger Mensch hat man einfach keine Rückenschmerzen zu haben, das bildet man sich ja alles nur ein! Einer der väterlichen Ratschläge war, wenn der Rücken tatsächlich weh tun würde, sollte ich mich ab und zu mal hinsetzen und im Übrigen nicht so anstellen. Schließlich hätte ich einen "guten Eindruck" zu machen. Aber eines Tages ging es nicht mehr - ich klappte zusammen. Ich bekam noch Krämpfe in den Händen, die Luft wurde mir knapp und ich glaubte wirklich, mein letztes Stündlein habe geschlagen, weil ich keine Ahnung hatte, was mit mir los war. In der Nähe der Firma war ein praktischer Arzt, zu dem ich gebracht wurde. Er gab mir eine Calciumspritze und danach ging es mir wieder besser. Ich erfuhr, dass ich einen Tetanie-Anfall erlitten hatte und sollte nochmals in seine Praxis kommen, aber gleichzeitig mein "Körperwasser" mitbringen. Der Arzt meinte, er habe einen Verdacht, was mir fehle, wolle aber sichergehen. Ich befolgte seinen Rat und kurze Zeit später hatte ich das Ergebnis: meine Nieren arbeiteten nicht richtig. Also krankschreiben und es wurde versucht, die Sache erstmal mit Tabletten zu behandeln.

Nun kam eine weitere Schwierigkeit: mein Vater. Er tobte zu Hause herum, ich sei gerade mal kurze Zeit in der Firma und wolle "ständig" krank machen. Der Krach eskalierte und ich ließ mich am Schluss "überreden", trotz Krankschreibung zu arbeiten. Natürlich ging das nicht lange gut; nach 3 Wochen brach ich erneut zusammen, aber diesmal schlimmer als beim ersten Mal. Ein großes Lob meiner damaligen Chefin. Sie warf meinem Vater ziemlich grob an den Kopf, er solle mich erst einmal in Ruhe gesund werden lassen. Ich bräuchte keinen guten Eindruck zu machen, sie wüsste, dass ich arbeiten könnte. Dann folgte die Einweisung ins Krankenhaus.


Ich wurde voll gestopft mit Antibiotika und anderem Zeug. Natürlich sagte man mir nicht, wofür oder wogegen das war. Ich solle einfach den Ärzten vertrauen, hieß es. Heute denke ich, dass ich ein sog. Versuchskaninchen war. Als lebenslanges Andenken an diese Zeit habe ich eine handfeste Medikamenten-Allergie behalten, die ich vorher nicht hatte. Nach Wochen war mein Zustand unverändert - mal Fieber, mal kein Fieber, mal Schmerzen, mal keine Schmerzen usw.
Unter der Ärzteschaft war ein Arzt: wir konnten uns beide auf Anhieb nicht leiden. Keine Ahnung, warum, es war eben so. Dieser Arzt übernahm es auch immer wieder, mir sämtliche Hiobsbotschaften sehr gefühllos zu übermitteln. Nach 2 Monaten gesellten sich noch sehr starke Halsschmerzen dazu, die nicht nachließen. Man stand vor einem Rätsel. Und da kam doch dieser Arzt eines Tages an mein Bett und teilte mir völlig emotionslos mit, man habe in einer Besprechung über mich festgestellt, dass ich nicht zu heilen sei. Ich solle mich nun damit abfinden, dass ich zwar 19 Jahre alt wäre, aber keine 20 Jahre alt würde. Es sei eben Schicksal,da könne man nun nichts dran ändern. Was habe ich diesen Menschen für seine Art gehasst!

Zunächst heulte ich die ganze Nacht. Meine Eltern sahen in der Besuchszeit natürlich meine verquollenen Augen und erfuhren dann auch den Grund. Und da wuchs meine Mutter zur Größe auf. Sie sagte:"Das wollen wir doch mal sehen. Komm nach Hause, dann wird alles probiert, was möglich ist und wenn das nichts hilft, kannst du immer noch sterben. Aber Aufgeben ist nicht!"

Da die Halsschmerzen nicht nachließen, wurde dann doch endlich ein HNO-Arzt hinzugezogen, der feststellte, dass meine Mandeln total vereitert waren und ordnete eine sofortige OP an. 2 Tage später ging es mir richtig gut - kein Fieber, keine großen Schmerzen. Aber das wollten die Halbgötter in Weiß natürlich nicht glauben. Aber es war tatsächlich so, ich war zwar sehr abgemagert in diesen drei Monaten, aber es ging mir deutlich besser. Die Ursache von meiner ganzen Krankheit waren diese vermaledeiten Mandeln. Der Hausarzt erklärte es mir so: durch die Vereiterung sei das Blut vergiftet, dieses Blut habe dann die Nieren angegriffen. Ich musste 2 Jahre strenge Diät halten, meine Mutter machte in dieser Zeit sehr viel Rohkost und Frischsäfte, so dass es mir eigentlich recht gut ging. Sie machte sich eine Menge Arbeit und die ganze Familie aß meine Diät mit.

Dann bekam ich den Bescheid, dass ich zur Kur nach Bad Wildungen käme. Die erste Woche fuhr meine Mutter mit. Meine Zimmerkollegin und ich schlürften unser Heilwasser, von dem wir uns dann einbildeten, es sei Sekt, da schmeckte es dann nicht mehr so fade. Im Kurorchester saß ein junger Klarinettist, den ich zwar ganz sympathisch fand, aber da ich davon ausging, dass er wie die anderen im Orchester verheiratet sei, interessierte ich mich nicht für ihn. Dabei war er der Einzige, der weder verheiratet, verlobt oder mit einer Freundin zusammen war. Also richtig schön frei - so wie ich! Nun ja, irgendwann kamen wir dann doch ins Gespräch und verabredeten uns für eine Abend. Es wurde ein wunderschöner Abend!!!!!!!!!!!!! Seit dieser Zeit ist Peter Alexander unser "Freund". Wir tanzten nämlich zu einem Lied von ihm und dann war es um uns geschehen.

Nach Beendigung meiner Kur fuhr ich nach Hause. Wir schrieben uns viele Briefe, konnten uns auch ab und zu besuchen und nach 1 1/2 Jahren verlobten wir uns und nach weiteren 1 1/2 Jahren wurde geheiratet.
Als ich bei meinen Schwiegereltern in spe in der Rhön vorgestellt wurde, gab es nur ein Hindernis: ich verstand damals den Rhöner Dialekt nicht. Aber alles lässt sich ja bekanntlich lernen. Da ich einen superliebe Schwiegermutter erwischt hatte, nahm ich mir damals vor, sollte ich in die Schwiegermutter-Situation kommen, dass ich auch versuchen wollte, eine gute Schwiegermutter zu sein. Ich hoffe, dass mir das gelungen ist, denn meine beiden Schwiegersöhne sind voll in Ordnung. Eine unserer Töchter lebt mit ihrem Mann, dem kleinen Sohn und sämtlichen Tieren in Spanien. Der Ehemann kommt aber nicht aus Spanien, sondern aus Neuseeland. Die andere Tochter lebt mit Lebensgefährten und kleiner Tochter in der Nähe von Düsseldorf.

Und so hat sich dann doch noch alles zu einem Happy-end gewendet." - Gisela

 

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