Delfine in Gefangenschaft, sollte man Delfinschaus unterstützen?

Delfine in Gefangenschaft

Delfine sind beliebt in Zoos und Aquarien sowie zum Schwimmen mit Delfinen für Touristen und aus therapeutischen Gründen. Dennoch ist das Thema domestizierter Delfine umstritten. Jeder mag die possierlichen, freundlichen Tiere, doch ist es tierfreundlich, die Haltung in Gefangenschaft zu unterstützen?

 

Das Fangen wilder Delfine aus dem Meer ist mittlerweile weitgehend eingeschränkt, denn der Stress des Fangens kostete mehr als die Hälfte der Delfine innerhalb von drei Monaten nach dem Fangen das Leben. Stattdessen werden Delfine in Gefangenschaft gezüchtet. Besser, denken viele, denn dann bleibt ihnen das traumatische Einfangen erspart und sie wachsen innerhalb der Grenzen ihrer Welt auf. Wenn sie nur ein domestiziertes Leben kennen, müssen sie sich wohl fühlen, oder?

Leider nicht. Um gesunde Delfine zu züchten, muss wie bei jeder anderen Spezies auch die Inzucht vermieden werden. Daher werden Delfine häufig von einem Zoo an den anderen "ausgeliehen". Dafür müssen sie oft lange Strecken transportiert werden. Es gibt zwar inzwischen mehr oder weniger humane Methoden, Delfine bequem zu transportieren, dennoch bleiben der Transport und die Umstellung ein traumatisches Erlebnis.

Delfine passen sich schnell an eine neue Umgebung an. Sie sind verspielt, neugierig und freunden sich gern mit ihren Pflegern an. In Gefangenschaft leben sie ein langes Leben, denn ihre natürlichen Feinde aus dem Meer sind nicht vorhanden. Frei lebende Delfine können bis zu 45 Jahre alt werden. Aus dem natürlichen Lebensraum gefangene Delfine leben oft, wenn sie die ersten drei Monate nach dem Trauma überstanden haben, nicht mehr als fünf Jahre. Eine längere Lebenserwartung haben Delfine, die in Gefangenschaft gezüchtet wurden, doch keineswegs länger als der Durchschnitt der Delfine in Freiheit.

Ein starkes Argument für Delfine in Gefangenschaft ist oft, dass der Mensch viel über Echolotung, Thermo-Regulation, Sozialverhalten und Sinne des Delfins gelernt hat und weiterhin lernen wird. Auch werden Delfine deutlich mehr von der Allgemeinheit geschätzt, wenn man sie in Delfinschaus sehen kann. Sicherlich trägt dies dazu bei, das Überleben der Spezies zu sichern, doch schließlich war es der Mensch, durch den der Delfin überhaupt gefährdet wurde. In der Freiheit ist die Sterblichkeitsrate der Delfine hoch aufgrund der Wasserverschmutzung, Bootsunfälle, Fischfang und Krankheiten. Zu argumentieren, dass der Delfin in Gefangenschaft leben soll, um sein Überleben zu sichern, klingt vielmehr wie ein armseliger Versuch, inhumane Behandlung einer Spezies zu rechtfertigen.
Tatsache ist auch, dass die meisten für Schaus verwendeten Delfine zur Art des großen Tümmlers gehören, eine Art, die keineswegs zu den bedrohten Delfinarten zählt. Programme, bei denen Delfine wieder in die Freiheit entlassen werden, werden gewöhnlich von Tierschützern initiiert und nur wenig, wenn überhaupt von Zoos oder Aquarien unterstützt.

Nicht zu vergessen, dass die Lebensumstände eines Delfins in Gefangenschaft alles andere als ideal sind. Sicher, das Wasser ist nicht so verschmutzt wie in manchen Teilen des Ozeans, denn es ist chemisch behandelt. Diese Chemikalien verursachen nicht selten Vergiftungen und Krankheiten.
In Freiheit schwimmt ein Delfin bis zu 150km pro Tag. Im Delfinbecken schwimmt er innerhalb seiner Grenzen im Kreis herum. Die Bewegungseinschränkung der Delfine hat oft stereotype Verhaltensweisen zufolge. Aus Langeweile treiben sie langsam mit halb geschlossenen Augen in demselben repetetiven Muster im Kreis herum und rammen mit dem Kopf gegen die Wände.

Die Züchtung der Delfin ist auch keineswegs so gesichert wie man annimmt. Selbst mit hoher Sterblichkeitsrate der Delfine unter einem Jahr in Freiheit aufgrund von Umweltverschmutzung und natürlichen Feinden ist die Überlebenschance der in Gefangenschaft geborenen Delfine beängstigend gering. Wären die gezüchteten Delfine soviel sicherer und geschützter als in Freiheit, sollte die Sterblichkeitsrate der Neugeborenen im Vergleich viel geringer sein, doch dies ist nicht der Fall.

Ein großer Teil ihres Lebensinhalts besteht in der Jagd nach ihrem Futter. In Gefangenschaft bekommen sie toten Fisch gefüttert, wodurch ihnen mentale Anregung und Bewegung genommen wird.

Ob in Freiheit oder Gefangenschaft geboren, ein Delfin in ein wildes Tier und hat die Bedürfnisse eines solchen. Die Tatsache, dass in Gefangenschaft gehaltene Delfine trotz der Abwesenheit der natürlichen gefahren nicht deutlich länger leben als ihre frei lebenden Artgenossen deutet darauf hin, dass die Tiere unter dem Stress ihres eingeschränkten Lebensraums leiden.

Natürliche Verhaltensweisen, die von der Delfinmutter an die Babys weitergegeben werden, die sogenannte Kultur der Delfine, wird in der Gefangenschaft unterbunden. Durch diese Verhaltensweisen lernen die Delfine, mit den Gefahren ihrer Umwelt zu leben und zu überleben. Dies verschlechtert also auch die Überlebenschancen, falls die Delfine das Glück haben, wieder in die Freiheit entlassen zu werden.
Delfine sind sehr gesellig, tauchen gern tief und schwimmen große Entfernungen. Selbst in den größten Delfinbecken werden die Tiere auf ein Tausendstel ihrer natürlichen Bedürfnisse beschränkt.

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