Wie kann man andere Menschen von seiner Meinung überzeugen?

Meinungsverschiedenheit

Sowohl im Berufsleben als auch im privaten Bereich hängt der Erfolg oft davon ab, andere Menschen umzustimmen und von seiner eigenen Meinung zu überzeugen. Jemanden von einer tiefsitzenden Überzeugung abzubringen ist überraschend schwierig, und nur wenige haben ein Talent dafür. Wie schafft man es, seine Mitmenschen umzustimmen, wenn diese eine andere Meinung haben?

Besonders bei Diskussionen im Internet denken viele Menschen fälschlicherweise, dass man die Meinung anderer Leute ändern kann, indem man sie beleidigt und heruntermacht, am besten in Großbuchstaben. Wer es noch nicht gemerkt hat: Diese Methode funktioniert nie. Im Gegenteil, verbale Herausforderungen und Beschimpfungen erhärten die Meinung des Gegenübers und machen es noch schwieriger, ihn zu überzeugen.

Wer schlauer ist, unterstützt seine Argumentation mit einer Ansammlung an Fakten, um den anderen zu überzeugen. Diese Taktik ist allerdings nicht wesentlich erfolgreicher als die erste. Fakten ändern normalerweise nicht die Meinung eines Menschen, weil seine Überzeugung vorherbestimmt, welche Tatsachen er für gültig oder relevant hält. Je stärker seine Überzeugung ist, desto effektiver gelingt es ihm, erwiesene Tatsachen zu ignorieren, die seine Meinung untergraben könnten. Oft scheinen gegenteilige Fakten eher die Meinung zu stärken als zu schwächen.

Wie bildet sich eine starke Meinung

Um einen anderen von seiner Meinung abzubringen, sollte man zunächst verstehen, wie stark die Überzeugung ist und woher sie kommt. Starke Meinungen bilden sich durch:

  • Häufige Wiederholung. Wenn Menschen eine Meinung hören oder sehen, die durch die selektive Darstellung von Fakten mehrfach wiederholt und verstärkt wird, dann glauben sie sie stärker. Das Konzept der Werbung stützt sich auf diese Tendenz.
  • Arbeitsplatz. Wenn Menschen das Gefühl haben, dass sie etwas glauben müssen, um nicht ihren Job zu verlieren, werden sie sich an diese Überzeugung trotz eines Berges widersprüchlicher Tatsachen klammern.
  • Sicherheit. Wenn Personen das Gefühl haben, dass ihre Lebensweise bedroht ist, halten sie sich an jede Überzeugung, die ihnen Sicherheit in der Zukunft verspricht.
  • Identität. Die stärksten Überzeugungen sind diejenigen, die die eigene Identität definieren. Wenn zum Beispiel eine Person in einer streng religiösen Kultur aufgewachsen ist, ist es sehr schwierig, ihre Meinung in Bezug auf diese Religion zu ändern. Eine Kritik an dieser Religion wird als persönlicher Angriff interpretiert.

Druck erzeugt Gegendruck

Alle Meinungen, die durch die oben genannten Faktoren stammen, können nicht direkt geändert werden. Je mehr Fakten man aufbringt, um seinen Standpunkt zu unterstützen, desto mehr wehrt sich die andere Person dagegen und verhärtet ihren Standpunkt. Das Gleiche gilt, wenn man versucht, die Argumente der anderen Person nichtig zu machen.

Versucht jemand, die Meinung eines anderen zu ändern, gilt die Regel, dass "Druck Widerstand erzeugt". Je mehr man Druck ausübt, umso mehr Gegendruck bringt die andere Person zurück.

Weil zuviel Druck Widerstand erzeugt, ist es sinnlos zu versuchen, die Meinung eines anderen durch einen direkten Angriff zu ändern.

Wie stimmt man andere Menschen um?

Anstatt sich gegen die Überzeugungen der anderen Person zu wenden und so Widerstand zu schaffen, sollte man dem anderen zeigen, wie seine Überzeugungen eigentlich Deinen Standpunkt unterstützen, und nicht den Standpunkt, den er selbst gegenwärtig vertritt. Das schafft man in drei Schritten:

  • Erkenne die Meinung des anderen an. Genauso wie es gilt "Druck schafft Widerstand" gilt es auch "Akzeptanz schafft Flexibilität". Wenn man zeigt, dass man die Überzeugungen der anderen Person versteht und sie als gültig akzeptiert, selbst wenn man ihnen nicht hundertprozentig zustimmt, fühlt sich die andere Person nicht angegriffen und wehrt sich dadurch nicht vollkommen gegen die Argumente.
  • Schwäche die Assoziationen. Führe die andere Person dazu, Fehler in ihrer Logik zu erkennen, die ihre Meinung mit der Schlussfolgerung verbindet, die man ändern möchte. Dies geschieht am besten durch Fragen, und nicht durch Aussagen, weil Fragen die andere Person nicht in die Ecke drängen, sondern sie dazu veranlassen, ihre Überzeugung vom Mittelpunkt aus zu betrachten, während sich Aussagen wie ein Angriff interpretieren lassen.
  • Erstelle neue Assoziationen. Zeige, wie die Überzeugungen der anderen Person - wenn sie als Ganzes betrachtet werden - glaubwürdiger zu anderen Schlussfolgerungen oder Meinungen führen als die, die sie zuvor hatten. Mit anderen Worten, versuche niemals, einem anderen deine Meinung aufzudrängen. Zeige ihm lediglich, wie eine alternative Schlussfolgerung diese Überzeugungen besser widerspiegelt.
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen