Warum haben wir Angst vor Insekten?

Wespe auf grünem Blatt mit Tautropfen

Ist die Angst vor Insekten eine Folge der Zivilisation und als solche eher lachhaft, oder gibt es ernste Hintergründe hinter dieser vermeintlich irrationalen Phobie?

Insektenphobie ist eine Prädisposition des Menschen

Schon Darwin, der Entdecker der biologischen Evolution, verstand, dass nicht nur die Anatomie eines Lebenwesens, sondern auch das Verhalten durch natürliche Auslese geprägt wurde. Das zugrundeliegende Konzept der evolutionären Psychologie ist einfach. Wie wir fühlen, denken und unsere Umwelt wahrnehmen, hat direkte Konsequenzen auf Überleben und Reproduktion. Und in dem Maße, in dem unsere geistigen Fähigkeiten und Prädispositionen vererbbar sind, werden unsere Nachkommen unsere psychologischen Neigungen teilen.

Das Überleben des Ängstlichen

Wenn es um Objekte oder Kreaturen geht, die potentiell gefährlich sind, begünstigt die Evolution ängstliche Gene. Schließlich haben im Allgemeinen nur solche unserer Vorfahren überlebt, die vorsichtig waren. Lieber einmal zuviel den seltsam geformten Stock für eine Schlange halten, als solche Hinweise zu ignorieren und mit dem Leben zu bezahlen. Ein "falsches Positiv" bedeutete lediglich eine unnötige Flucht oder ein sinnloses Kratzen, während ein “falsches Negativ” eine Eliminierung aus dem Genpool hieß.

Unsere Evolutionsgeschichte als verletzbare und langsame potentielle Beute sowie unsere Anfälligkeit für Gifte zeigt eine Tendenz, uns vor Kreaturen zu fürchten, die stechen oder beißen können, auch wenn sie nur die Größe einer Erbse haben.
Der kulturelle und technologische Wandel unserer Lebensumstände war ein viel schnellerer Prozess als die genetische Entwicklung, so dass wir instinktiv noch nicht viel weiter sind als der Mensch, der noch in der Natur lebte.

Wie real ist die Gefahr durch Insekten?

Es wird Jahrtausende dauern, bevor wir die psychologische Tendenz entwickeln werden, Waffen und Autos im Verhältnis zu ihrer realistischen Gefährlichkeit einzuschätzen. In den USA führen Waffen und Fahrzeuge 600 Mal häufiger zu Todesfällen als Tiere. Trotzdem liegt die Wahrscheinlichkeit immer noch recht hoch, durch Insektenstiche oder Spinnenbisse zu sterben. Bienen, Wespen, Hornissen oder Giftspinnen sind für etwa 50 Todesfälle pro Jahr verantwortlich, hauptsächlich durch allergische Reaktionen.

Entomophobie in der heutigen Gesellschaft

Menschen, die Angst gegenüber Insekten zeigen, sind also nicht das Ergebnis der Zivilisation und der Entfernung von der Natur, sondern ganz im Gegenteil, sie folgen einem Jahrtausendlangem Instinkt, der ihre Vorfahren vor tödlichen Insektenstichen bewahrte. Diese alte Angst macht auch heute in vielen Teilen der Welt noch Sinn - viele Menschen haben Grund, sich vor blutrünstigen Insekten zu fürchten. Malaria verursacht fast 10-mal mehr Todesfälle rund um den Globus als alle Fahrzeuge und Waffen zusammen in den Vereinigten Staaten.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.