Hör auf, besonders sein zu wollen - akzeptiere deine Normalität

Menschenmenge

Die meisten Charakterzüge sind gleichmäßig auf die Bevölkerung verteilt. Etwa 65% der Menschen besitzen durchschnittliche Intelligenz, Persönlichkeit und Kreativität sowie ein durchschnittliches Gedächtnis und Führungspotential. Leider sind die wenigsten Menschen sich dessen bewusst. Sie würden sich selbst in vielen erstrebenswerten Eigenschaften als überdurchschnittlich bezeichnen, was natürlich rein rechnerisch nicht möglich ist.

Steigende Selbstverliebtheit

Interessanterweise ist es beinahe beleidigend, wenn jemand als durchschnittlich bezeichnet wird. In unserer heutigen Welt strebt jeder danach, “einzigartig” und “besonders” zu sein. Tatsächlich wären die meisten Menschen lieber durch etwas Negatives hervorstechend als einfach nur normal. Das Streben nach Einzigartigkeit ist eine Form von Narzissmus, die erst in den letzten hundert Jahren stetig zu steigen begonnen hat und durch die sozialen Medien noch weiter gefördert wird.

Negative Auswirkungen der Einzigartigkeit

Im Gegensatz zu dem heute populären Glauben, dass Einzigartigkeit erstrebenswert ist, gibt es viele Vorteile, einfach nur normal und durchschnittlich zu sein. Viele psychologische Leiden wachsen aus dem Drang nach etwas Besonderem. Durchschnittliche Menschen sind weit weniger gefährdet, an Depressionen oder geistigen Beschwerden zu erkranken. Selbst die als positiv bekannten Charakterzüge wie Ehrgeiz, Geselligkeit, Selbstvertrauen und Gewissenhaftigkeit können zum gesundheitlichen Problem werden, wenn sie in extremer Form gelebt werden.
Ehrgeiz kann sich zu Gier entwickeln, Geselligkeit zu der Sucht, im Mittelpunkt zu stehen, Selbstvertrauen zu Arroganz und Gewissenhaftigkeit zu Zwangsneurosen.
Statt also besonders hohe Werte in solchen guten Charaktereigenschaften zu erzielen, ist es wesentlich wünschenswerter, im normalen Bereich zu liegen, sonst werden die Eigenschaften destruktiv.

Das Streben nach Einzigartigkeit in der Konsumgesellschaft

Genetisch gesehen ist jeder Mensch und jedes Tier einzigartig auf dieser Welt. Es gibt also keinen Grund, durch besondere Eigenschaften hervorzustechen. Gefühlte Einzigartigkeit macht nicht glücklich. Leider wird auch durch die Medien großer Wert darauf gelegt, dass jeder Mensch etwas Besonderes ist, um ihn dazu zu verführen, in der Gesellschaft mehr zu konsumieren. Die Verherrlichung der Nichtkonformität und der Unkonventionalität ist ein Bollwerk unserer Konsumgesellschaft.

Es heißt “Durchschnitt”, weil es ein Mittelwert der Gesamtheit ist

In Wahrheit ist unsere Welt für durchschnittliche Menschen geschaffen. Wenn tatsächlich jeder Mensch in irgendeinem Extrem herausragen würde, könnte unsere Gesellschaft nicht funktionieren. Doch viele Menschen halten sich an der Illusion fest, dass sie selbst die Ausnahme in einem Meer normaler und durchschnittlicher Menschen sind.


Natürlich wird der gesellschaftliche Fortschritt durch Menschen geprägt, die in einer Form außergewöhnlich sind. Diese Menschen machen jedoch nur etwa ein Prozent aus. Sie ragen aus der Masse heraus aufgrund einer Kombination von außergewöhnlichem Wissen oder Talent und dem Zufall, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein, wo sie durch ihre Außergewöhnlichkeit einen Beitrag leisten können. Wenn die restlichen 99% sich damit abfinden könnten, dass ihre Fähigkeiten und Eigenschaften in einen normalen Bereich fallen, würde dies ein gesünderes, rationaleres Selbstkonzept wiederspiegeln und nicht Illusionen und Größenwahn.
Grundsätzlich ist es gesünder für einen selbst, sich so zu sehen, wie man wirklich ist, anstelle an einem verzerrten Selbstbild zu leiden. Zwar bringt es scheinbar Vorteile, sich als kompetenter darzustellen als man ist, aber diese Selbsttäuschung kostet ihren Preis.
Wenn Menschen mit phantasierten und nicht echten Talenten zu Macht- und Einflusspositionen aufsteigen, wird ihr Karriereerfolg durch das kollektive Versagen anderer ausgeglichen, denn niemand erzielt einen Vorteil durch den Erfolg inkompetenter Menschen. Früher oder später kommt ihre Inkompetenz ans Licht, meist wenn der Schaden schon zu hoch ist.

Normalität ist sympathisch

Die meisten Menschen sehen eher Positives in anderen, wenn diese mit ihrer Durchschnittlichkeit in Harmonie leben. Eine bescheidene Person mit durchschnittlichen Talenten ist in der Regel sympathischer als eine selbst-gefällige Person mit durchschnittlichen Talenten. Wer sich bescheiden gibt, zeigt seine wahre Kompetenz.
Der sicherste Weg, seine Mitmenschen gegen sich zu bringen, ist zu zeigen, dass man sich für etwas Besseres hält. Wenn du sprichst, ist jede Facette deiner Persönlichkeit auf dem Display. Der geringste Hinweis auf Größenwahn oder Selbstherrlichkeit ist negativ. Bescheidenheit auf der anderen Seite gewinnt Vertrauen und guten Willen.

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